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Dienstag, 15. Oktober 2013

GLORIA - Wenn aus einem moderierenden Friseur plötzlich eine Band wird.


Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Eine Weisheit, die gerade in unserer heutigen Zeit viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Maßlose Selbstüberschätzung und fehlender Realitätssinn führen immer häufiger dazu, dass auf der Suche nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Reichtum aus Bäckerei-Fachverkäufern nebenberufliche Tupperwaren-Verticker, aus Masseuren Katzen-Flüsterer und – wenn man einen Blick in die Welt der ohnehin schon Schönen und Reichen wirft – aus Schauspielern Designer und aus Models Möchtegern-Sängerinnen werden. Talent und/oder eine notwendige Ausbildung? Pappalapapp, wer braucht das schon? Fremdschäm-Attacken und Witzfiguren-Alert? All inclusive!
Doch zum Glück ist das nicht immer so. Dem Himmel sei Dank gibt es auf dieser Welt auch die andere Sorte Quereinsteiger und beruflicher Umsattler. Jene, denen man für ihren mutigen Schritt anerkennend auf die Schultern klopfen darf. Und sollte!




Ein gutes Beispiel dafür, dass das Eintauchen in einen einem sonst fremden Wirkensbereich zum genauen Gegenteil einer Lachnummer werden kann, nämlich zu einer höchst hörens- und sehenswerten Sache, zeigt sich momentan an der Band Gloria
Die Band und das deutschsprachige Gitarrenpop-Projekt dahinter sind neu - die Beteiligten aber bereits alte Hasen im Show- und Musikbizz. 50% von Gloria gehen auf die Kappe von Mark Tavassol (früher saitenmäßig mit Wir sind Helden unterwegs), übrigens die einzigen 50% mit Profi-Musikerfahrung. Die anderen 50% Manpower exklusive Profi-Musikerfahrung aber inklusive Gesangstalent steuert Klaas Heufer-Umlauf bei - sonst gelernter Friseur, mittlerweile schwer erfolgreicher Moderator, Teilzeit-Schauspieler und nun eben die Stimme von Gloria.


Dass letzterer dem öffentlichen Musizieren bzw. Singen nie ganz abgeneigt war, zeigt die Vergangenheit: Noch zu VIVA-Zeiten gab er gelegentlich seine Elvis-Cover-Künste zum Besten, wenn er nicht gerade im Superman-Kostüm auf die Bühne der Comet-Verleihung flog und sich in das Musikerherz des Wir sind Helden-Bassisten katapultierte. Noch kürzlich trat er musikalisch im Sparten-Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens innerhalb der ihm und Kollegen Winterscheidt anvertrauten Sendung „neoParadise“ unter der Begeisterung Tausender Anhänger weniger ernst gemeint, dennoch mit deutlich spürbarer Inbrunst als „Der Heufer“ auf.
Mit Gloria zeigt Klaas Heufer-Umlauf nun, dass in ihm auch etwas anderes steckt, als ein nicht-auf-den-Mund-gefallener, gefühlsloser Entertainer, nämlich ein durchaus talentierter, glaubwürdiger Sänger mit dem Gespür für unschnulzige, melancholische Texte. Die Gitarrenklänge, die Kollege Tavassol dazusteuert, stürmen bei dem einen Lied nach vorn, bei dem anderen nehmen sie sich bewusst zurück, eben so, wie der Text es braucht.
Woran jahrelang hobbymäßig geschraubt, komponiert und geschrieben wurde, fand Ende letzten Monats in einem Album nun seinen Höhepunkt.


Gloria - Das gleichnamige, richtig flotte Debütalbum von Gloria.
Macht sich übrigens in physischer Form im CD-Regal auch richtig glory!


Ich hatte das Gloria-Erstlingswerk direkt am Erscheinungstag legal und in physischer Form (ja, so etwas darf und sollte mal betont werden) käuflich erworben und noch am gleichen Tag während meines Umzugs von Düsseldorf nach Berlin auf Herz, Nieren und Hörtauglichkeit geprüft. Mein Urteil: Eine Platte zum Aufbrechen und Ankommen - um es mit der Melancholie eben jener zu sagen. Hach.



Also: Ein Reinhörbefehl, der von Herzen kommt.

Marie


Montag, 18. Februar 2013

Ein Interview mit Bobby Long.


PENIBELichkeit trifft Bobby Long.
Es ist doch immer großartig, alte Bekannte wiederzutreffen. Bekannte, von denen man lange nichts gehört hat. Bekannte, von denen man aber weiß, dass sie in der vergangenen Zeit keineswegs untätig waren. Wenn diese Bekannte dann noch junge, talentierte, aufstrebende Musiker sind, die in den vergangenen Monaten an einem neuen Album gewerkelt haben – umso besser!

Auch wir hatten vor kurzem das große Vergnügen, einen alten Bekannten wiederzusehen: Bobby Long. Schon im letzten Jahr hatten wir den sympathischen britischen Singer/Songwriter hier auf diesem Blog vorgestellt. Mehr als zwölf Monate war es nun her, dass er Deutschland und uns das letzte Mal einen Besuch abgestattet hatte. Sein Fortbleiben sei ihm allerdings verziehen, hatte der junge Herr doch in der vergangenen Zeit an seinem zweiten, bereits morgen, den 19.02., erscheinenden Album „Wishbone“ gearbeitet.

Anlass unseres freudigen Wiedersehens war das Abschlusskonzert seiner „The Wild Wood“ Deutschland-Tour im wundervollen Kölner Arkadas Theater. Kurz bevor es für ihn an diesem Abend hieß, das letzte Mal auf dieser Tour Musik-Deutschland mit seinem Können zu begeistern, nahm er sich eine halbe Stunde Zeit, mit uns über das neue Album, die Tour und einigen ganz persönlichen Sachen zu unterhalten: So saßen wir mit ihm und Support-Act-Schrägstrich-Musikerfreund Joe Summer beisammen und lauschten unter anderem ganz aufmerksam seiner Geschichte über eine geisterhafte Begegnung, erfuhren welche deutsche Angewohnheit er nie verstehen wird und bekamen von ihm als Fachmann den besten Tipp, wo und wie wir uns morgen sein neues Album zum ersten Mal anhören sollten.


PENIBELichkeit: Du hast mit 17/18 Jahren angefangen Songs zu schreiben. Jetzt bist du Mitte 20. Wie hat sich dein Schreiben von Songs über die Jahre hinweg verändert?
Bobby Long: Das verändert sich eigentlich die ganze Zeit. Die ersten Songs, die ich geschrieben habe, waren noch sehr minimalistisch, sehr einfach. Und jetzt, wo ich ein immer besserer Gitarrenspieler werde, werden sie immer komplizierter und vielschichtiger. Ich mag viele verschiedene Musikrichtungen und die beeinflussen auch mein Schreiben.

Überzeugt auch ohne Gitarre: Bobby Long.
Wie fühlst du dich, wenn du dir deine eigenen ersten EPs anhörst?
Ich mag sie. Manche mag ich weniger. Ich vergrabe sie jetzt nicht, ich würde nur selber eher die neuen Sachen hören.

Du wohnst mittlerweile in Amerika. Du hast mal gesagt, dass du dir mit dem Umzug von London nach New York deinen größten Traum erfüllt hast. Welchen großen Traum willst du als nächstes verwirklichen?
Ich glaube den, für immer hier zu leben, beziehungsweise für eine lange Zeit in Amerika zu leben. Im Moment habe ich das Gefühl, dass das auch passieren wird. Mein nächster großer Traum ist, New York für immer als mein Zuhause zu haben, aber auch an anderen Orten zu wohnen. Zum Beispiel für ein paar Monate in Paris, oder vielleicht in Kalifornien. Das wäre großartig.

Gibt es aktuelle Musik, die du magst und hörst und die dich inspiriert?
Ja, da gibt es viel aktuelle Musik! Ich höre viel neue und alte Musik. Im Moment liebe ich die amerikanische Band „The Mother Hips“. Und lasst mich überlegen... Oh, und ich liebe Richard Hayley! Und alles von „My Morning Jacket“! Im Moment mag ich wirklich vieles.

Songs zu schreiben scheint dir ziemlich leicht zu fallen. Gibt es irgendwas, das dir nicht ganz so leicht im Leben fällt?
Morgens aufstehen! Mich anziehen. Mir fallen ständig irgendwelche Sachen schwer, um ehrlich zu sein. Ich bin auch nicht gut in Sachen-Reparieren. Wenn Sachen in meiner Wohnung kaputt gehen, muss meine Freundin die meist reparieren, weil ich das selbst nicht kann. Und ich mache leider ständig irgendwas kaputt.


Wie muss ein Tag sein, um ein guter Tag zum Songschreiben zu sein?
Das Wichtigste ist, dass ich glücklich bin, glaube ich. Wenn ich wegen irgendetwas niedergeschlagen bin, kann ich überhaupt nichts machen. Aber wenn ich glücklich und gut drauf bin, kann ich mir beim Songschreiben Gefühle verstellen, wie niedergeschlagen zu sein, oder kann darüber nachdenken, wie ich mich gefühlt habe, als ich niedergeschlagen oder wütend war. Generell also ein gewisser Glücklichkeitsgrad. Wenn ich den nicht erreiche, liege ich eigentlich nur im Bett rum. (lacht)

Wir haben gelesen, dass du nur zur Uni gegangen bist, um in London zu leben...
Ja, ich bin zum Studieren dorthin gezogen. Ich dachte mir, es wäre ganz gut zur Uni zu gehen, um Leute kennen zu lernen, in London zu wohnen und einen Abschluss zu machen. Aber um ehrlich zu sein, bin ich wirklich nur nach London gezogen, um Musik zu machen.

Trotzdem hast du deinen Bachelor-Abschluss gemacht. Glaubst du generell, das mit dem Studium hat sich gelohnt?
Oh ja, absolut, total! Mit meinem Abschluss kann ich später auf jeden Fall viel machen. Durch das Studium konnte ich jetzt schon vieles machen. Vier Jahre in London leben, zum Beispiel. Ich liebe London! Das war eine großartige Erfahrung.

Nach deinem Debütalbum „A Wintertale“ hast du letztes Jahr auch ein Buch mit Gedichten veröffentlicht. Was hat dich dazu bewegt „Losing my brotherhood“ zu veröffentlichen?
Ich wollte einfach mal etwas komplett anderes machen. Einer meiner persönlichen Helden ist Danny Cohen [Anmerk.: Daniel Cohen, Amerikanischer Autor]. Und da ich schon immer an Poetik interessiert bin, dachte ich mir, dass das doch ganz cool wäre und ich den Leuten eine ganz andere Seite von mir zeigen könnte. Und schreiben wollte ich sowieso irgendwann einmal. Ich habe das erstmal nur als eine kreative Übung für mich selbst gesehen. Am Ende hatte es mir persönlich sehr viel gebracht. Das Schreiben hat richtig gut getan und mich von vielem befreit. Und es war das wohl Persönlichste, was ich je getan habe.

Also waren die Gedichte von Anfang an Gedichte und keine Songtexte?
Ja, ich habe das direkt von Anfang an getrennt. Wäre es so gewesen, hätte ich das Gefühl gehabt, jemanden, der sich das Buch wegen der Gedichte kauft und stattdessen Songtexte findet, irgendwie zu betrügen. (lacht)

Ist es jetzt, wo du ununterbrochen Songs schreibst, nicht furchtbar schwierig zu entscheiden, welcher es von denen auf ein Album schafft?
Ja, das ist sehr schwierig! Mein größtes Elend ist immer zu entscheiden, an welchem es sich lohnt weiter zu arbeiten und ihn weiter zu spielen. In Gedanken springe ich immer zwischen verschiedenen Songs und ihren Qualitäten hin und her. Manchmal denke ich, dass ich gute Songs habe, vergesse die dann aber wieder. Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich ein Song besser erstmal zurückhalten sollte, spiele ihn dann aber trotzdem. Die Entscheidung ist wirklich hart. Und mein Lieblingssong ist immer nicht der anderer Leute. Ich glaube wirklich, dass ich in dem Auswählen von Songs besser werden sollte.

Du hast angekündigt, mit deinem neuen Album ‚aktueller’, ‚mainstreamiger’ klingen zu werden
Ja, das hab ich! Ich wollte, dass das neue Album anders wird. Ich will keine gleichen Sachen zweimal machen. Ich finde, dass das langweilig ist. Meine Vorbilder sind Bob Dylan and Neil Young. Neil Young zum Beispiel macht alles immer etwas eigenartig, aber zugleich wundervoll. Deswegen höre ich ihn so gerne. Und auch er selbst ist dabei nicht immer gleich. Er verändert sich als Songwriter ständig. Und das will ich auch. Ich sehe mich selbst auch nicht als Singer/Songwriter, der nur akustisch spielt. Ich möchte auch zum Beispiel mal etwas Elektrisches machen und mich wandeln. Das ist zumindest die Idee.

Also findest du, dass es dir gelungen ist, auf dem neuen Album ‚zeitgemäßer“ zu klingen.
Ja, ich denke! Es ist schwerer und sehr anders, als das erste Album. Und klar, es könnte noch zeitgemäßer sein. Ich meine, es könnte immer poppiger sein, aber ich glaube, es klingt schon mehr nach einem zeitgemäßen Album, als alles, was ich zuvor gemacht habe.


Wir haben gelesen, dass du den Song „A Wintertale“ hier in Deutschland geschrieben hast, als es richtig kalt war und ihn dann im verschneiten London aufgenommen hast. Gibt es zum neuen Album und den Songs auch so eine Geschichte?
Wir haben das neue Album in Kalifornien aufgenommen, letztes Jahr im März und da war’s sehr warm, sehr herrlich.

... also wird es allein deswegen schon anders klingen?
Ja, ich finde, es klingt sommerlicher. Und ist bepackter mit Klängen, die den sommerlichen Sound ausmachen. Das letzte Album hat im Vergleich mit nur vier, fünf Instrumenten viel kälter geklungen. Und irgendwie wollte ich, dass das neue Album ein bisschen kalifornisch klingt. Allein wegen des Ortes, wo wir es aufgenommen haben, klingt es auch irgendwie so. Der Ort spielt immer in das Klangpaket rein, finde ich.
Ich habe meine letzte EP „The Backing Singer“ zum Beispiel in einer Kirche aufgenommen und die klingt deswegen sehr unheimlich und geisterhaft, fast religiös. (lacht) Oh, das komisch. „Sie klingt wie Gott! Als würde Gott persönlich singen!“ (lacht)

Wenn Leute sich das neue Album "Wishbone" kaufen, wo sollten sie es deiner Meinung nach zum ersten Mal hören?
Mit Kopfhören in ihrem Schlafzimmer. Oder beim Autofahren. Ich selbst mag es total, auf dem Bett zu liegen, Kopfhörer aufzusetzen und ein neues Album zu hören. Das ist einfach das Beste überhaupt. Ich finde, dass man erst dann alles klar hört. Und man sollte es auch wenigstens als CD oder Platte hören. Nicht als mp3 oder über iTunes. Ich finde, da ist die Qualität nie sehr gut. Da überhört man immer vieles.

Beim Aufnehmen deines neuen Albums hast du auf einer Gitarre von Elliott Smith gespielt. Wie hat sich das angefühlt?
Das war eine der seltsamsten Erfahrungen! Als wir das Album aufgenommen haben, ich meine, ich weiß nicht wirklich, was ich über Geister denken soll, aber... Ich glaube nicht, dass sie nicht existieren. Ich kann mir schon vorstellen, dass es wahrscheinlich so etwas wie umherfliegende Seelen gibt, oder so was in der Art, vielleicht. Ich denke das tun sie. Da im Studio hatte ich zumindest zum ersten Mal das Gefühl, dass Elliott Smith irgendwie anwesend ist. Mein Bassist hatte dazu auch noch auf Elliott Smiths Bass gespielt. Und als ich dann irgendwann mal angefangen hatte, einen seiner Songs zu spielen, meinte mein Bassist nur „Mach das nicht! Mach das nicht!“. Das war sehr seltsam. Und plötzlich hatte sich das Spielen auch seltsam angefühlt. Ich hatte auf einmal das Gefühl, eine gewisse Energie zu fühlen, irgendwas Spirituelles. Und als ich dann in dem großen, dunklen Raum auch noch gesungen hab, fühlte ich plötzlich etwas. Ab da war ich durchgängig verängstigt! (lacht) Aber positiv verängstigt.

Gleich spielst du die letzte Show deiner aktuellen Tour hier in Deutschland. Wie bereitet man sich auf solch eine Tour generell vor?
Man macht sich am Anfang erstmal Sorgen. Dann ignoriert man die und denkt erstmal nur von einem Auftritt zum nächsten. Gerade bei solch einer Tour mit zehn Shows, wo du auch noch so viel zwischendurch reist, muss man das. Wenn du am Anfang schon an den letzten Auftritt denkst, brichst du zusammen. Man darf echt nur von einem Auftritt zum nächsten denken. Und darin nur das Beste sehen und es einfach genießen.

[Manager Sven betritt den Raum und gibt Bobby eine Geburtstagkarte zum Unterschreiben.]

Sven: Dabei wollte der das so, zehn Shows hintereinander!
Bobby: Ja, wollte ich. (lacht) Aber ich mag einfach keine freien Tage zwischendurch, weil man dann noch müder wird und zu viel Zeit zum Entspannen hat.

2009 hast du hier in Deutschland dein erstes Konzert gespielt. Was hat sich seitdem verändert?
Das Publikum hat sich ziemlich verändert. Auf die bestmögliche Weise. Damals waren es fast nur junge Mädchen. Und jetzt ist es eine gute Mischung. Männer, Frauen. Das Publikum ist meist immer noch gleich groß, aber hört besser zu. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es mein Publikum ist. Am Anfang hatte ich irgendwie immer das Gefühl, dass sie gelangweilt sind. Aber jetzt ist es immer sehr erfrischend hierher zu kommen: Mehr Männer, mehr Pärchen, mehr ältere Leute. Eine wirklich nette Zusammensetzung des Publikums!

Mittlerweile hast du viel gesehen. Gibt es eine Stadt, die du noch nicht gesehen hast, aber unbedingt mal sehen möchtest?
Ziemlich viele! Meine Familie und ich sind früher manchmal im Sommer in Frankreich gewesen und haben uns Gedenkstätten des Zweiten Weltkrieges angeschaut. Ich würde aber auch gerne mal nach Dresden und an andere wichtige Orte. Auch nach Auschwitz.
Aber ich würde zum Beispiel auch gerne mal Dortmund sehen. (lacht) Einfach mal kleinere Städte bereisen, um ganz Deutschland gesehen zu haben.

Hast du denn Zeit, dir die Städte anzuschauen, in denen du spielst?
Nein, nicht wirklich. Dum-Duuuum. Manchmal haben wir Zeit ein bisschen was zu sehen. Zum Beispiel vor ein paar Tagen in München. Und hier in Köln liebe ich es immer in den Dom zu gehen. Der ist so wunderschön! Dann gehe ich auch auf den Turm. Aber meist bleibt uns dafür keine Zeit, weil uns immer so viel Zeit mit dem Fahren von Stadt zu Stadt verloren geht.


So, nun haben wir einige Sätze für dich, die wir beginnen und die du beenden musst, ohne viel darüber nachzudenken.
Oh, die liebe ich!

Mein Lieblingswort auf Deutsch ist...
Scheiße.

Mein Lieblings-Music-Act aus Deutschland is...
Puh. Die Kelly Family.

Mein deutsches Lieblingsessen ist...
Bratwurst.

... und ein Essen, das ich weniger gern mag ist...
Hab keins. Ich mag alles.

Reisen auf der Autobahn ist...
Unheimlich!

Mit der Deutschen Bahn zu reisen ist...
Einfach und bequem.

Deutsches Bier ist...
Fantastisch!!!

Eine Stadt, in der ich mir vorstellen könnte zu leben, ist...
Puh! Köln, Hamburg oder Berlin.

Eine der deutschen Angewohnheiten, die ich nie verstehen werde, ist...
Effizienz! Es ist immer so witzig: Sven und Gregor [Anmerk.: (Tour-)Management], die sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, aber dennoch SO gleich. Zum Beispiel wenn wir morgens losfahren, klopfen sie immer an meine Tür „Zehn Minuten! .... Fünf Minuten!“ und trödeln interessanterweise dann selbst rum, wenn wir anderen schon alle im Auto sitzen. Ich glaube, das ist etwas typisch Deutsches. Ihr seid immer total pünktlich, aber wenn es um eure eigene Zeit geht, dann geht ihr es ruhig an. Gregor braucht dann nämlich selbst zehn Minuten bis er im Auto sitzt und wir fragen uns alle „Und warum hetzt er UNS so?“ Dann ist er selbst nämlich nie pünktlich. (lacht)

Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich von Deutschland am meisten vermissen...
Bobby Long: Die Menschen! Die Leute hier im Publikum sind mit die nettesten überhaupt! Das ist unglaublich. Darüber haben Joe und ich uns kürzlich unterhalten: Über das, was hier vor fast einhundert Jahren passiert ist, über das Unglaubliche, was in so kurzer Zeit passiert ist. Und jetzt sind wir hier. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das alles hier in Deutschland passiert ist. Weil die Leute so nett sind, so unglaublich liberal und wundervoll. Und sie sind klug und intelligent. Nicht wahr, Joe?

Joe Summer: Ja, sie sind so warmherzig. Das ganze Land ist so ein inspirierender Ort.
Bobby Long: Man merkt einfach, dass hier viel passiert. Um noch mal auf den Krieg zu sprechen zu kommen und all das, was in so kurzer zeit hier passiert ist: Wenn man von den Menschen heute ausgeht, ist es einfach unglaublich, dass das hier alles passiert ist.
Und das zeigt, wie sehr und schnell sich die Menschen und das Land verändert haben, im Vergleich zu anderen Ländern. Deswegen werde ich auch immer sehr wütend, wenn ich noch irgendetwas Schlechtes über Deutschland höre. Weil ich Deutschland echt sehr mag und schätze! 
Marie

Album kaufen! Bobby freut sich. Und wir uns auch. 
(Ja, das mit dem Buchstabieren üben wir noch)


Sonntag, 30. Dezember 2012

Soundclash. K.I.Z und Kraftklub - bis dass es knallt.

Wir wären gerne ein Blog, der nah am Zeitgeschehen ist. Also so richtig. Das können Sie uns glauben. Aber leider machen uns die Uni, die Arbeit und das ohnehin schon zu kurz kommende Privatleben regelmäßig einen Strich durch die Rechnung.
Trotz allem – auch wenn dieser Bericht einmal mehr viel zu spät kommt und mittlerweile wahrscheinlich kaum noch ein Hahn danach kräht – muss vom Freitagabend, den 07.12. berichtet werden.

Man kann Redbull vieles vorwerfen: Dass ihre Getränke Menschen schon einen Zuckerschock erleiden lassen, wenn sie nur daran denken, zum Beispiel. Aber wenn Redbull, oder eher die vielen Helferlein, die hinter dem Markennamen stecken, eines können, dann ist es Events medienwirksam und auch einfach verdammt gut zu organisieren.






So auch der am Freitag zwischen den zwei K-Bands Kraftklub und K.I.Z. im Kölner Palladium stattgefundene Soundclash. 

Das Konzept, das hinter diesem ominös-anglistisch-hippen Namen steckt, ist genauso simpel wie genial: Zwei Bands, durch gleiche Plattenfirma (Universal Music) und gleiches Booking-Team (Landstreicher) im Rücken eigentlich verbrüdert, erklären sich auf Facebook den Krieg, um damit den kurz darauf startenden Vorverkauf anzuheizen. Geklappt hat es. Binnen weniger Tage war das Palladium ausverkauft  und Facebook kommentartechnisch in zwei Lager gespalten. Wir dagegen entschieden uns dafür, neutral zu bleiben und suchten daher auch am Konzertabend selbst die unparteiische Mitte zwischen den beiden gegenüberliegenden Bühnen auf. Bereut haben wir diese Entscheidung bis zum Ende des Abends nicht.


Durch den Abend führten Jeannine Michaelsen
und Oliver Polak
Zu viele Worte wollen wir über das Battle an sich gar nicht verlieren, sondern hauptsächlich die Bilder sprechen lassen (und wem das nicht genügt: Die Highlights des Abends hat Redbull hier portionsgerecht zusammengeschnitten). 
Für alle unter Ihnen, die sich noch nicht so ganz vorstellen können, wie der Abend genau aussah, sei aber noch so viel an Info gegeben: Wie in jedem anständigen Battle gab es auch hier verschiedene Runden, alle mit einem eigenen Thema belegt. Runde 1 war das „Warm Up“, in dem sich die aufgeregten Bands erst einmal mit jeweils drei ihrer Songs warmspielen durften. Runde 2, „The Cover“, verlangte dann schon einiges mehr von den Künstlern ab. Fanta 4’s Klassiker „Die da“ wurde von der Rasselbande von Kraftklub erst einmal in ein Rock’n’Roll Klischee par excellence verwandelt, während K.I.Z es stilecht mit einer Gangsterversion versuchten (letzteres wurde sogar vom Godfather of the Song, Smudo, höchstpersönlich, mit den Worten "Das ich *das* noch erleben darf.... #traenenderruehrung @K_I_Z_“ auf Twitter gepriesen).  


Wollen sich wahrscheinlich nie aus Berlin verpissen:
K.I.Z

In der 3. Runde „The Take Over“ galt es dann, den angespielten Song der jeweils anderen Band zu vervollständigen. Und hier müssen wir einmal kurz unsere Neutralität verlassen und sagen: K.I.Z haben diese Runde eindeutig gewonnen. Dass ihre Version von „Ich will nicht nach Berlin“, die sie liebevollerweise in „Verpisst euch aus Berlin“ verwandelten, definitiv bissiger und cleverer war als Kraftklubs „Wir wollen doch nur spielen…“-Version von „Klopapier“, musste an diesem Abend wohl selbst der eingefleischteste Kraftklubfan aus der ersten Reihe zugeben.


Konfetti gab es auch. Oh ja.
Bei „The Clash“, der 4. Runde handelte es sich dann um eine
Wiederholung der 2. Runde und bedarf daher keiner besonderen Erwähnung. Richtig spektakulär wurde es aber dann bei „The Wildcard“, Runde 5 – in der beide Bands mit mehr oder weniger ironischen Gastauftritten punkten konnten. Hier seien nur einige Namen in den Raum geworfen: Sido, Wilzon Gonzales und Jimi Blue Ochsenknecht, Casper – dass wir diese Künstler alle einmal in einem Atemzug nennen sollten, hätten wir uns wahrscheinlich auch nie vorstellen können und ehrlich gesagt auch nicht unbedingt wollen. An wen in dieser Runde der Punkt ging, bleibt wohl jedem Geschmack selbst überlassen. Gerockt haben jedenfalls beide Auftritte – wenn auch auf ganz, ganz, ganz unterschiedliche Weise.


In der letzte Runde, „The (grand) Final“, blieb dann die Frage zu beantworten, ob die beiden Bands im Endeffekt verfeindet, oder doch  wieder als Best Buddies den Ring verlassen sollten. Dass die darauf folgende Knuddelorgie, und die Song-Mischungs-Liebeskinder, die aus diesem Feuerwerk aufkeimender Gefühle entstanden, keinen mehr überraschten, ist bei der Best-Friends-Vorgeschichte beider Bands selbsterklärend.
Ein schöner Abschluss war es dennoch. Oder gerade deswegen.

So viel Liebe. So zum Ende.

Mademoiselle

Sonntag, 18. November 2012

Hest. Ari Hest.


Was passiert sein muss, dass man seinen wohlverdienten, lang herbeigesehnten und längst überfälligen Heimaturlaub aus eigenem Willen und ohne große Reue verschiebt? Den ersten Abend zurück in den trauten vier Wänden nach dreimonatigem Fernbleiben nicht mit einem ausgedehnten Fernsehabend inklusive Füße auf dem Tisch und Tiefkühlpizza deluxe auf dem Sofa zelebriert?
Etwas Großartiges. Etwas, das man nicht jeden Tag geboten bekommt. Ja – Etwas, das selbst die liebevolle, fürsorgliche Pflege und Betätschelung der eigenen Mutter in den Schatten stellt (zumindest für einen Abend).

 Ari Hest, 33, aus New York. Von Beruf Musiker.
Ari Hest heißt der Herr, der das leisten konnte und sich bewusst darüber sein dürfte, wahrscheinlich nicht nur eine Mutter dieses Planeten an diesem Abend gegen sich zu haben - nein, vermutlich auch viele Herzmänner und langjährige Samstagabend-Buddies.

Ebenso Singer/Songwriter. Ebenso aus New York. Ebenso talentiert. Jay Nash.
Zusammen mit Musikerkollege und Stadtkompagnon Jay Nash gab sich der New Yorker Singer/Songwriter Ari Hest am vergangenen Samstag in Köln die Ehre. Mit dabei Songs seines neues Albums „The Fire Plays“. In lauschiger, schlecht belüfteter (that’s Rock’n’Roll!) Atmosphäre bekam man als Liebhaber sanfter bis leichter Gitarrenklänge so einiges geboten. Nicht nur die Worte des Herrn Hests überzeugten, auch die sehr erwachsene, rauchige Stimme schaffte es Singer/Songwriter-like zu begeistern.

Auch in Köln wurden alte Konzerttraditionen gepflegt: Zusammen mit einer mutigen jungen Frau aus dem Publikum – Christina hieß die Gute an diesem Abend – wurde der Song „Cranberry Lake“ dargeboten.

"Cranberry Lake" von Ari Hest. Und Christina.
Und auch von Jay Nash gab’s, wie zu Beginn umgekehrt,  nicht nur bei einem Song Unterstützung. Wie man sieht, unterstützt wurde an diesem Abend wo’s nur ging: Der Haupt Act unterstützte den Support  Act, der Support Act den Haupt Act, der Einzelne den Hauptact, der Support Act das Publikum, das Publikum die Herrschaften auf der Bühne, etc pp. Und irgendwann schloss sich dann der Kreis.

Ein gelungener, charmanter, runder Abend war das. Das mussten sich auch die zwei musikalischen Herren des Abends gedacht haben, sonst hätte es vermutlich keine Zugabe zur Zugabe gegeben.

Ari Hest gehört zweifelsfrei zu der Sorte Musiker, dessen Musik man nicht in der Form, die ihr gebührt, beschreiben kann. Da wir dem Ganzen auch nicht fähig wären, können wir jedem Freund bester musikalischer Unterhaltung nur empfehlen, sich die Musik des geschätzten Herr Hest selbst anzuhören. Ende. Aus. Mickey Maus.
Luise

Donnerstag, 8. November 2012

It's Time to Push: Ari Hest


In seltenen Fällen kommt es vor, dass die Uni zu etwas gut ist. Und tatsächlich sollte uns dieses Glück ein einziges Mal auch nicht vorenthalten bleiben.
Dass wir eine kleine Schwäche für Singer-/Songwriter haben, haben die ganz scharfsinnigen unter Ihnen vielleicht schon mitbekommen. (Hier verweisen wir – als dezenter Spürnasentipp quasi – auf die folgenden It’s Time to Push – Einträge: Bobby LongEd Sheeran.)
Die Uni, genau genommen ein wundervolles Seminar aus der Anglistik (an dieser Stelle soll ein dickes, fettes „Thank you!“ die Internationalität unseres Blogs heben), war daran schuld, dass wir unsere Liebe zu einem weiteren, diesmal amerikanischen Sänger entdeckten: Ari Hest, 33, aus New York. Der Gute besuchte uns nämlich im Rahmen des Seminars und stand uns nicht nur zwei Stunden Rede und Antwort zu unseren akademisch höchst anspruchsvollen Fragen, sondern legte am Nachmittag obendrein nach ein Konzert obendrauf. Und zack, wir waren verfallen. Das ist mittlerweile über ein Jahr her, und verbessert hat sich dieser Zustand noch immer nicht.

Im Rahmen seines am 13. November erscheinenden Albums „The Fire Plays“ und seiner heute (in Berlin) beginnenden Deutschlandtour nahm sich Ari im Vorfeld ein wenig Zeit, um unsere journalistisch höchst investigativen Fragen zu beantworten. 
Als kleiner Tipp vorab: Am Samstag, den 10.11 wird Ari im Kölner Underground anzutreffen sein. Wer noch nichts vorhat, hat hiermit absolute Anwesenheitspflicht. Uns findet man dort auch. Es gibt also keine Ausrede, dort nicht aufzutauchen


The Fire Plays - am 13. November erhältlich.
(Quelle: www.arihest.com)
Wenn du potentiellen neuen Hörern deine Musik vorstellen könntest, welche Lieder würdest du ihnen zuerst zeigen wollen?
Alles vom neuen Album. Ich denke, die Lieder vom neuen Album zeigen am Besten, was für ein Musiker ich mittlerweile bin. Natürlich hätte ich auch gern, dass sie sich meine alten Songs anhören, aber ich denke der beste Weg ist es, sich die Musik anzuhören, die ich jetzt mache, denn meine Stimme und mein Musikstil haben sich ziemlich stark über die Jahre geändert.

Planst du von vornherein, welche Thematik das Album haben soll, oder schaust du im Nachhinein, wenn du verschiedene Lieder gesammelt hast, welche gut zusammenpassen würden?
Wenn ich ehrlich sein soll, eher letzteres. Aber es gibt trotzdem drei Themen, die das neue Album zusammenhalten: Da gibt es einmal die zerbrechlichen Lieder, dann die, die eher wie Popsongs daherkommen und die, die ich eher als „künstlerisch“ bezeichnen würde, weil sie in keine Kategorie wirklich passen. Aber insgesamt kann man sagen, dass es eine Grundthematik gibt, die alles zusammenhält: Das Streben, oder der Wunsch danach, ein besserer Mensch zu werden.

Also war es geplant, das Album im Herbst zu veröffentlichen? Die Grundstimmung klingt ja eher recht melancholisch.
Das war eher ein glücklicher Zufall. Es hatte verschiedene Gründe, warum das Album erst jetzt im Herbst veröffentlich werden konnte, obwohl es schon seit 6-7 Monaten fertig ist. Aber ja, es ist schon ganz passend, dass der letztendliche Release Termin auf den Herbst gefallen ist, weil das Gefühl wohl am besten zu dieser Jahreszeit passt.

Im Zuge deines Album Releases arbeitest du recht viel mit Facebook, Twitter und Youtube. Würdest du sagen, dass es heutzutage für einen Musiker sehr wichtig ist, mit seinen Fans über diese Plattformen Kontakt zu halten?
Auf der einen Seite definitiv. Aber ich denke auch, dass es einige Künstler damit übertreiben. So Sachen wie Twitter und Facebook sind toll um Leute auf dem Laufenden zu halten, aber manchmal posten Menschen einfach viel zu viel. Ich denke, je mehr man tweetet, desto irrelevanter werden die einzelnen Tweets. Manche würden jetzt sagen, dass das genau das ist, was die Leute wollen. Da wird dann so argumentiert, dass die Menschen dir ja aus einem Grund folgen und auch etwas von dir hören wollen. Aber ich versuche trotzdem, das ganze moderat zu halten. Nur im Moment mache ich ein wenig mehr als ich normalerweise mache, weil das Album ja bald veröffentlicht wird.



Würdest du sagen, dass das Internet eher ein Fluch für Künstler ist, wegen der ganzen illegalen Downloads etc., oder ein Segen, weil es so auch Künstler ohne große Plattenfirma im Nacken zu etwas bringen können?
Ich denke, es ist weder das eine, noch das andere. Das Internet ist toll, um deine Musik und deine Alben zu promoten, aber ich habe über die Jahre gelernt, dass das einzige, was wirklich zählt, ist, dass du gute Musik machen und diese auch live performen kannst. Du musst du Leute live überzeugen können, ganz egal ob sie deine Musik kaufen oder illegal downloaden. Deine Live-Qualität ist das, was darüber entscheidet, ob die Leute bei dir bleiben und weiterhin neues von dir hören wollen, oder nicht. Wenn du es schaffst, sie als Musiker zu überzeugen, dann werden sie auch weiterhin deine Musik hören und dich live erleben wollen.

Achtest du dann bei den Aufnahmen deiner Alben auch immer darauf, dass die Lieder live funktionieren?
Ich denke, das ist eine falsche Herangehensweise. Ich finde nicht, dass es verwerflich ist, ein Album auf eine bestimmte Weise zu produzieren. Die wahre Kunst liegt im Endeffekt nur darin, das Ganze dann auf die Bühne zu bringen, und darin liegt die Herausforderung. Manchmal muss man das ganze Lied anders arrangieren, aber das ist ja auch der Spaß daran. Ich glaube bisher hatte ich erst ein oder zweimal das Problem, dass ich Angst hatte, dass ein Song live nicht funktionieren würde. Aber auch dann ist es immer wieder gut, sich selbst solange zu fordern, bis es klappt.

Du gehst mit Jay Nash hier in Deutschland auf Tour. Wie wird das Ganze aussehen?
Wir werden uns während ein paar Liedern definitiv gegenseitig auf der Bühne unterstützen, aber im Großen und Ganzen spielen wir unsere eigenen Sets allein auf der Bühne. Zuerst ist  er an der Reihe, dann ich.

Dienstag, 4. September 2012

Hessischer Festivalwahnsinn - Ein Resümee.


Eine Woche ist seit dem Folklore Festival vergangen. Doch viele Eindrücke sind geblieben. Die möchten wir natürlich mit Ihnen teilen, liebe Leser_innen.

Im Grunde genommen bedarf es nur ein aus elf Buchstaben bestehendes Wort, um das Folklore zu beschreiben: Sympathisch.
Hach, was war das schön. Das Folklore-Festival in Wiesbaden. Unser Highlight der Festival-Saison.
Okay, zugegeben, es war unser einziges Festival in diesem Sommer. Dieser eigentlich mehr als untragbare Zustand ist dem vollen Terminkalender eines Busy-Busy-Studenten zu verdanken. Praktika, Arbeit, Bachelorarbeit im Sommer – Pfui. Was wir in diesem Jahr festivaltechnisch verpasst haben, planen wir im nächsten Jahr nachzuholen. . Ha, wäre doch gelacht, sollten wir, PENIBELichkeit, die Festivalsaison 2013 nicht organisiert bekommen – ehrgeizig wie wir sind.

Wie ein Leuchtturm hinten am Horizent: Der Wasserturm.
Wahrzeichen des Schlachthofes.
Zurück zum Folklore: Ein kleines, aber feines Festival bietet die hessische Landeshauptstadt da. Schon seit den 70ern empfängt es jährlich Scharen von musikbegeisterten Menschen. Nach einigen Namens- und Ortwechseln in  der Vergangenheit ist es seit einigen Jahren angekommen auf dem Gelände des alten Schlachthofs direkt neben dem Hauptbahnhof. Sehr überschaubar ist diese Örtlichkeit mit dem Wasserturm als Wahrzeichen, keine weiten Laufwege inbegriffen.  Direkt im Eingangsbereich waren alle Trade-Fair-Harems-Hosen-Liebhaber vollends auf ihre Kosten gekommen und konnten sich an dutzenden Ständen dem fröhlichen Konsum dieser widmen.

Das ‚Folk’, das wir auf dem Festgelände antrafen, entsprach eher dem Namen des Festivals, als die Musik: Von Hipster-Boys und –Girls, über Indie-People, Öko-Menschen und ‚Normalos’ bis hin zum einsamen kleinen Metaler am Bierwagen – ein netter Querschnitt der Subkulturen war anwesend. Und mit ihm ein fröhliches, friedliches Neben- und Untereinander.

Auch wenn das Folklore an sich recht überschaubar ist, gibt es musikalisch ordentlich Gas und das auf vielseitigen Genreebenen. In der Vergangenheit gaben sich illustre Bands und Künstler wie Marteria, Turbostaat, Frittenbude, Thees Uhlmann, Donots, und und und die Ehre. Und auch das diesjährige Line-Up konnte sich sehen lassen: Kraftklub, Casper, Walk Off The Earth, Bonaparte, Egotronic, Jupiter Jones, und und und. 

Euphorische Eskalation. Vor und auf der Bühne.

Wir haben sie alle gesehen. Nun ja – fast alle.  Auf jeden Fall mehr als 50%! Das empfinden wir selbst als große Leistung! Unserem full-time-really-hard-working-people-Dasein ist es zu verschulden, dass wir Bands wie beispielsweise Jupiter Jones nicht gesehen haben (aus Gründen der Ehrlichkeit müssen wir zugeben, dass es das Schicksal durchaus hätte schlimmer mit uns meinen können). Sagen wir es mal so: Unser Geist war durchaus willig, doch unser Körper tat uns am frühen Abend ihres Auftritts leider nicht den Gefallen in Sachen Beeilung und Schnelligkeit beim Laufen kooperativ zu sein. Leider, leider.
Doch konnten wir - neben dem bunten Musikprogramm jenseits der beiden Mainstages - zumindest die Headliner des Festivals genießen. Zusammen mit vielen pilgernden Menschen, die sich – warum eigentlich? – bei jedem wenige Minuten alten Konzert dazu entschlossen in Richtung Mekka, Santiago de Compostela, Lourdes - oder wo auch immer hin - aufzubrechen und damit die gesamte Masse aufzuscheuchen. Erste Reihe, letzte Reihe, links, rechts, Mitte. Entscheidet euch! Liebe Menschen, wenn ihr das hier lest: Warum der ganze Firlefanz? Wo wollt ihr hin? Zucken euch die Hummeln im Po? Das sind Fragen, die wir, PENIBELichkeit, gern beantwortet hätten, um euch und eure Agilität/Mobilität in Zukunft verstehen zu können.

Man beachte den beeindruckenden Himmel!

Zum Thema Essen muss auch was gesagt werden: Da reisten wir extra von weither aufwärts des Rheins an, nur um feststellen zu müssen, dass man auf dem gesamten Festivalgelände keine Grüne Soße verspeisen konnte.  Frechheit.  Dabei wurde uns diese lokale Leckerei von vielen Seiten empfohlen und wärmstens ans Herz gelegt. Die gebotenen Alternativen Pommes, Crêpes und Co. waren zwar auch gut, aber halt keine Grüne Soße.

Als krönender Abschluss eines jeden Resümees folgt ja bekanntlich ein Fazit. So selbstverständlich auch bei uns: Das Folklore ist ein völlig zu unrecht viel zu wenig bekanntes, mehr als sympathisches Festival. Es bietet alles, was man von anderen, größeren Festivals auch kennt: Der bekannte überall schwer in der Luft hängende Grasgeruch, Bier in Überfluss, Matschgruben, Staubwüsten und ein Zeltplatz. (Ähm,  Moment mal... Letzteres nicht. Zumindest in diesem Jahr. Was uns Zelt-und-Camping-Verachter nicht weiter stört. Wir nächtigten im heimischen Bettchen und erfreuten uns regelmäßig über eine warme Dusche, sowie ein reichhaltiges, alkoholfreies Frühstück am Morgen.)

Kurzum: Folklore. Nächstes Jahr. Wir am Start. Auf jeden Fall!

Luise