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Dienstag, 15. Oktober 2013

GLORIA - Wenn aus einem moderierenden Friseur plötzlich eine Band wird.


Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Eine Weisheit, die gerade in unserer heutigen Zeit viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Maßlose Selbstüberschätzung und fehlender Realitätssinn führen immer häufiger dazu, dass auf der Suche nach Anerkennung, Aufmerksamkeit und Reichtum aus Bäckerei-Fachverkäufern nebenberufliche Tupperwaren-Verticker, aus Masseuren Katzen-Flüsterer und – wenn man einen Blick in die Welt der ohnehin schon Schönen und Reichen wirft – aus Schauspielern Designer und aus Models Möchtegern-Sängerinnen werden. Talent und/oder eine notwendige Ausbildung? Pappalapapp, wer braucht das schon? Fremdschäm-Attacken und Witzfiguren-Alert? All inclusive!
Doch zum Glück ist das nicht immer so. Dem Himmel sei Dank gibt es auf dieser Welt auch die andere Sorte Quereinsteiger und beruflicher Umsattler. Jene, denen man für ihren mutigen Schritt anerkennend auf die Schultern klopfen darf. Und sollte!




Ein gutes Beispiel dafür, dass das Eintauchen in einen einem sonst fremden Wirkensbereich zum genauen Gegenteil einer Lachnummer werden kann, nämlich zu einer höchst hörens- und sehenswerten Sache, zeigt sich momentan an der Band Gloria
Die Band und das deutschsprachige Gitarrenpop-Projekt dahinter sind neu - die Beteiligten aber bereits alte Hasen im Show- und Musikbizz. 50% von Gloria gehen auf die Kappe von Mark Tavassol (früher saitenmäßig mit Wir sind Helden unterwegs), übrigens die einzigen 50% mit Profi-Musikerfahrung. Die anderen 50% Manpower exklusive Profi-Musikerfahrung aber inklusive Gesangstalent steuert Klaas Heufer-Umlauf bei - sonst gelernter Friseur, mittlerweile schwer erfolgreicher Moderator, Teilzeit-Schauspieler und nun eben die Stimme von Gloria.


Dass letzterer dem öffentlichen Musizieren bzw. Singen nie ganz abgeneigt war, zeigt die Vergangenheit: Noch zu VIVA-Zeiten gab er gelegentlich seine Elvis-Cover-Künste zum Besten, wenn er nicht gerade im Superman-Kostüm auf die Bühne der Comet-Verleihung flog und sich in das Musikerherz des Wir sind Helden-Bassisten katapultierte. Noch kürzlich trat er musikalisch im Sparten-Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens innerhalb der ihm und Kollegen Winterscheidt anvertrauten Sendung „neoParadise“ unter der Begeisterung Tausender Anhänger weniger ernst gemeint, dennoch mit deutlich spürbarer Inbrunst als „Der Heufer“ auf.
Mit Gloria zeigt Klaas Heufer-Umlauf nun, dass in ihm auch etwas anderes steckt, als ein nicht-auf-den-Mund-gefallener, gefühlsloser Entertainer, nämlich ein durchaus talentierter, glaubwürdiger Sänger mit dem Gespür für unschnulzige, melancholische Texte. Die Gitarrenklänge, die Kollege Tavassol dazusteuert, stürmen bei dem einen Lied nach vorn, bei dem anderen nehmen sie sich bewusst zurück, eben so, wie der Text es braucht.
Woran jahrelang hobbymäßig geschraubt, komponiert und geschrieben wurde, fand Ende letzten Monats in einem Album nun seinen Höhepunkt.


Gloria - Das gleichnamige, richtig flotte Debütalbum von Gloria.
Macht sich übrigens in physischer Form im CD-Regal auch richtig glory!


Ich hatte das Gloria-Erstlingswerk direkt am Erscheinungstag legal und in physischer Form (ja, so etwas darf und sollte mal betont werden) käuflich erworben und noch am gleichen Tag während meines Umzugs von Düsseldorf nach Berlin auf Herz, Nieren und Hörtauglichkeit geprüft. Mein Urteil: Eine Platte zum Aufbrechen und Ankommen - um es mit der Melancholie eben jener zu sagen. Hach.



Also: Ein Reinhörbefehl, der von Herzen kommt.

Marie


Montag, 4. Februar 2013

Irgendwer mit Medien #3 - Robert Hofmann und Edin Hasanovic - Teil 1


Liebe Leser_innen, man soll es kaum glauben.
Vor nicht mal einem Monat kündigten wir stolz wie eh und je an, dass ein weiteres, großes Interview mit zwei Irgendwers-mit-Medien in den Startlöchern stünde. Wann wir Ihnen dieses allerdings präsentieren wollten, hielten wir sicherheitshalber (man kennt ja unsere fixe Tipp-Fähigkeit) offen.
Umso mehr erstaunt es uns nun selbst, dass wir den ersten Teil schon jetzt in unseren Händen (bzw. im Laptop) halten. Aber nur Teil 1? Was ist denn da los?

Erst einmal der Reihe nach: Wir, die zwei Mädels von PENIBELichkeit, sind nach einem knappen Jahr in der Blogosphäre immer noch unerfahrene Küken, die leider gut gemeinte Ratschläge nicht immer annehmen. So auch geschehen am eisigkalten Donnerstagmittag, als wir uns mit Robert Hofmann, dem Kanalvater von DVDKritik - einem YouTube-Channel, auf dem er sich dem Rezensieren von Kino- und DVD-Filmen sowie deren Trailern widmet - sowie seinem Zweitkanal RoBSNToWN - auf dem die verschiedensten Videos (von Vlogs auf dem Dach bis hin zu der Verbreitung von unnützem Wissen) Platz finden - trafen. Mit dabei an besagtem Donnerstagmittag war außerdem sein Schauspielerkollege (dazu zu gegebener Zeit noch mehr) und teilweisiger Kurzzeit-Channel-WG-Partner Edin Hasanovic, der in regelmäßigen Abständen als Klamauk-Mitmacher auf Roberts zweitem Kanal zu finden ist. 
Fragte Robert uns, angekommen am Treffpunkt des Interviews, erstaunt, ob wir das Gespräch tatsächlich als Audiodatei aufnehmen und später abtippen wollten, antworteten wir noch voller Motivation: „Natürlich!“
Tja, nun haben wir den Salat. Dass es sich bei den beiden werten Herren nicht unbedingt um die wortkargsten Geschöpfe auf Erden handelt, hatten wir kurzzeitig verdrängt. Umso schlimmer war dann der Schock, als wir sahen, wie lange tatsächlich das Aufschreiben des Mittags, der so gemütlich bei Möhrenkuchen (natürlich NICHT für die Herren – denn wer bitte nimmt schon Gemüse in Form von Kuchen zu sich?) und Tee begann, dauert. Und das, obwohl wir doch wie kleine HB-Männchen an unserem Abschluss (an unserer Bachelorarbeit – eieiei, es wird konkret) arbeiten und für solche Eskapaden eigentlich gar keine Zeit haben.
Aber, und das betonen wir immer wieder gern: Wir wären nicht wir, wenn wir Ihnen nicht trotzdem etwas – wenn auch nur in „kleinen“ Häppchen – präsentieren wollen würden! Und da wir dann doch nicht ganz untätig dasaßen, und schon fleißig waren, gibt es für Sie hier nun den ersten (von insgesamt drei – sie können sich das Längen-Ausmaß also ungefähr vorstellen) Teil des Interviews.
Bevor wir Sie nun aber endlich entlassen, seien noch ein paar Worte gesagt:
Das Ganze mag ein wenig roher erscheinen, als man Interviews normalerweise gewöhnt ist. Aber das ist kein Versehen, sondern genau so gewollt. Wer die Beiden kennt, erwartet genau das, was wir Ihnen nun liefern. Ein zu glattgebügeltes Interview würde weder zu unseren Interviewpartnern, noch zu uns selbst passen. Und da auch Robert und Edin vollstens auf Authentizität setzen, haben wir uns entschieden, so wenig, wie nur irgend möglich zu streichen oder abzuändern. Und so sind auch unrunde oder chaotische Stellen geblieben, wie Sie gleich schon zu Anfang sehen werden.
All das nur zu Ihrem Amüsement!
Und damit das ohnehin schon viel zu lange Interview nicht noch länger wird, geht es nun endlich los:
Robert und Edin. Eine echte Männerfreundschaft (a.k.a. Bromance)

Marie: Findet ihr immer noch, dass es eine gute Entscheidung war, das zusammen zu machen? Wir haben gerade schon gemerkt: Das ist nicht immer ganz so harmonisch bei euch.
Robert: Es ist nicht immer ganz so harmonisch?
Edin: Wie bitte? Das ist hier voll die „BILD“! Jetzt legt die uns hier irgendwas in den Mund.
Robert: Genau, du Arschloch.
Edin: Das ist überhaupt nicht harmonisch.
Robert: Ja? Wann hast du das gemerkt?

Marie: Ihr zickt schon so’n bisschen.
Robert: Das ist aber doch nur Spaß-Zicken.
Edin: Meinst du wir zicken untereinander?
Robert: Eigentlich nie.
Edin: Wir zicken gegen euch, das habt ihr gar nicht gemerkt.
Robert: Ja. Das ist einfach nur eine Frage von Düsseldorf und Berlin. Nee. Die Frage war eigentlich eine andere.
Edin: Ach so: Die Zeit für das Interview läuft übrigens jetzt (dreht eine Eier-Sanduhr um). 5 Minuten.
(Allgemeines Gelächter)
Robert: Die müssen jetzt versuchen, uns ernsthaft Fragen zu stellen. Und wir müssen ernsthaft antworten.

Marie: Also ihr macht den Kanal ja quasi zusammen.
Robert: Welchen Kanal?
Edin: Nee, nee, nee, Moment.
Robert: Ich habe viele.

Aline: Er möchte erstmal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit: Neben deinem Hauptkanal, Robert, war es da eine gute Idee…
Edin: Ziemlich albern, Robert.
Robert: Also, dass wir den Kanal zusammen machen,
Edin: das dürft ihr nicht sagen.

Marie: Okay, dann dass du mitmachen darfst.
Edin: Genau.

Marie: Findest du auch heute noch, dass es eine gute Entscheidung war, dass du ihn quasi mit ins Boot geholt hast?
Robert: Nee, doch, schon. Darf ich trotzdem ein bisschen witziger…?

Marie: Natürlich.
Edin: (gekünsteltes Lachen)
Robert: Also generell wusste ich eigentlich von Anfang an, dass es gut funktionieren würde, weil wir uns schon ganz lange kennen. Und ich weiß, dass dadurch quasi die zweite Energiewelle kommt, die die Zuschauer abholt, so dass jeder etwas findet, was ihm richtig Spaß macht. Die einen freuen sich darüber, wie Edin lacht, die anderen mögen meinen Humor, und mögen einfach unsere Einstellung zusammen. Edin ist radikaler, und ich bin immer ein bisschen mehr in mich geruht. Aber irgendwie funktioniert das zusammen halt immer super. Aber viele von den Zuschauern waren sich am Anfang sehr unsicher. Ich bekomm heute noch Nachrichten, die sagen „Ah, als ich das das erste Mal gesehen habe, war ich mir unsicher, aber inzwischen ist es mein Lieblingskanal geworden, weil die Videos mit euch die Videos sind, die ich als erstes gucke“ und es ist schon fast übertrieben, wie die Zuschauer teilweise agieren, wenn Videos von uns da sind. Also ich find’s super.
Edin: Wir ergänzen uns halt ziemlich gut, dadurch, dass wir uns solange kennen. Man kennt sich halt unglaublich gut, und was er mit radikal meint, ist, dass ich mehr aus dem Bauch heraus sage und mache, und er eher darüber nachdenkt und das reflektiert. Und ich dadurch wahrscheinlich schneller Fehler mache, oder ich dadurch schneller mal etwas sagen, das aneckt.
Robert: Wobei das aber nicht negativ sein muss.
Edin: Nö. Hab ich ja auch nicht gesagt.

Aline: Und hattet ihr zuerst Sorgen, dass dieses Konzept so, wie es ist, nicht reicht? Wart ihr euch sicher, dass ihr als Personen interessant genug seid?
Robert: Ich glaub, ich mache mir von uns beiden immer mehr Gedanken darüber was funktioniert, und versuche eine Idee zu kreieren, bei der ich hoffe, dass die Zuschauer sie mögen. Sorgen gemacht hab ich mir nie, weil auf YouTube alle, die Erfolg haben, die irgendwie groß sind, fast total gescriptet wirken. Die haben immer einen Plan von dem, was sie machen, was die Gags angeht. Zumindest bei denen, die Unterhaltung machen, was immer am meisten wächst, wenn man nach den Plays geht. Sie sind extrem vorhersehbar, auch nicht gut gespielt. Und die Leute sehnen sich nach dem, was sie aus dem Fernsehen kennen: Nach Authentizität, nach Ungeschnittenem, und nach einem gewissen Flow. Nach Echtheit, nach Chemie. Natürlich kannst du dich jetzt nicht einfach hinsetzen – und das versuchen auch ganz viele. Die denken dann: „Okay, das ist cool. Ich setz mich einfach hin und mach 5 Minuten nichts“ – das wollen die Leute auch nicht sehen. Du musst einfach was ausstrahlen und rüberbringen. Aber eben ehrlich.
Edin: Ich hab mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht am Anfang, ob’s funktioniert.  Ich mein, du siehst die Zuschauer nicht. Du hast eine Kamera vor dir, du sitzt da, und wir hatten einfach bei den ersten Videos, das war „Brainstorming“, unglaublich viel Spaß. Also, wir haben uns echt totgelacht. Und das ist für mich echt das Wichtigste, dass das Zwerchfell danach durchmassiert ist und ob das funktioniert ist mir im Endeffekt völlig Wurst.
Robert: War das das erste Brainstorming?
Edin: Naja, wir haben vorher noch einen Berlin Vlog gemacht, wo ich gefahren bin, aber da war das noch nicht so richtig „ich“.
Robert: Richtig. Ich hab mir gestern noch überlegt, was das erste war, und war zu faul um zu gucken.


Aline: Aber habt ihr da nicht manchmal ein bisschen Sorge, dass ihr vor der Kamera sitzt und euch eben nicht bewusst ist, wie viele das im Endeffekt tatsächlich sehen?
Edin: Ja, deswegen gucken wir uns das nochmal an.
Robert: Ich muss es schon sehr schneiden, das Material.
Nein, eigentlich nicht, weil wir irgendwie wirklich immer das sagen, was wir denken. Und eigentlich auch sprachgewandt genug sind, um das Ganze so zu verpacken, dass es auch richtig ankommt bei den Zuschauern. Klar, es gibt immer so Leute: „Haters gonna hate“. Wer dich hassen will, der wird’s dir irgendwie vor die Nase knallen. Aber generell: Überhaupt keine Angst, weil wir stehen beide zu unseren Einstellungen und zu dem was wir sagen, zu dem was wir tun. Und man sieht’s ja auch, die Leute mögen es, und insofern mach ich mir da überhaupt gar keine Sorgen. Es wird ja auch keiner gezwungen, sich das anzugucken.

Aline: Und diese Sorge, dass das Internet nie vergisst und die Videos auch in 20 Jahren noch zu sehen sein werden?
Edin: Wir vertrauen halt auf uns. Wir sind keine schlechten Menschen, die etwas Schlechtes denken. Und darauf vertraue ich. Ich passe deshalb nicht auf, dass ich bloß nicht sage, was ich denke. Sondern ich sage es, weil ich weiß, dass ich das irgendwie vertreten kann. Und wenn mir in drei Jahren jemand sagt: „Guck mal, was du da gesagt hast“, dann sag ich: „Ja, damals hab ich das so gesagt, und heute ist es vielleicht nicht mehr so.“

Aline: Seid ihr der Meinung, dass man dafür ein bestimmter Typ sein muss? Weil es ja auch viele Leute gibt, die zu ihrer Meinung stehen und sich trotzdem nicht dabei wohlfühlen, diese in eine Kamera zu sprechen?
Robert & Edin: Wofür genau?

Aline: Sich vor der Kamera präsentieren zu wollen.
Edin: Klar. Also ich sage immer, dass ich nie allein vor der Kamera sitzen könnte. Ich glaube, dass die Leute das… ich bin überhaupt nicht sympathisch, glaube ich. Ich glaube, dass ich nur mit ihm funktioniere vor der Kamera.
Robert: Dieses vor der Kamera sitzen ist ja auch immer nur ein Aspekt von diesem ganzen YouTube-Ding. Dazu gehört noch ganz viel mehr. Wie funktioniert das? Alleine an Technik und Schnitt, man muss ja ein bisschen Ahnung von Licht setzen etc. haben. Aber generell… du musst halt schnell reagieren können. Wenn du nicht alles in 30 Schnitte setzen willst, musst du schnell eine Idee haben: „Wie kriegst du jetzt das nächste Thema, was den Leuten Spaß macht?“ Und du musst immer natürlich sein und darauf vertrauen, dass es irgendwie klappt. Du brauchst eine unglaubliche innere Ruhe und Gelassenheit um zu sagen: „Ich hab keinen Plan, aber das wird schon.“ Das ist eher das Schwierige.

Marie: Ihr macht das ja in so einer Doppel-Kombo. Joko und Klaas machen das genauso. Seht ihr euch auch so ein bisschen in einer ähnlichen Position? Dass ihr das vielleicht so ein bisschen nutzt?
Robert: Was nutzen wir?

Marie: Quasi das Konzept, das Joko und Klaas auch haben. Der eine macht einen Witz, der andere lacht drüber…
Edin: Aber was meinst du jetzt? Dass wir vor ZDFneo sitzen und denken: „Ach, guck ma!“
Robert: Grüße!

Marie: Könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass auch mal zu machen, sagen wir’s mal so? So ein Konzept.
Robert: Also erstmal, als wir angefangen haben gab es glaube ich überhaupt kein Konzept. Ich hab gesagt: „Ey, hast du Bock, wollen wir was machen?“ und dann lief das. Da denkt man nicht darüber nach, und so führt eins zum anderen. So wie das halt ist: Je mehr Leute das sehen, desto mehr Leute haben Interesse daran. Aber generell, wenn sich jemand hinstellt und sagt: „Wir wollen euch für das, was ihr bis jetzt gemacht habt, etwas zahlen und ihr könnt das auch noch häufiger machen und kriegt Studios und alles, was ihr braucht“, dann sag ich nicht nein, weil ich daran Spaß habe.
Aber ich denk dabei nicht an Joko und Klaas. Die haben super Glück mit dem, was sie machen, und sie machen auch richtig coole Sachen. Also ich mag die Beiden super gerne, aber die sind überhaupt keine Vorbilder, zumindest in diese Richtung. Wir machen einfach nur irgendetwas, und die Leute mögen es irgendwie.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Can you feel the love? ... On TV.


Das lange Warten hat ein Ende, denn ab morgen ist es soweit. Ab morgen heißt es für den mediengeilen Zwillingsbruder des römischen Liebesgottes Amor endlich wieder: Raus aus der Arbeitslosigkeit und rein in die deutsche Fernsehlandschaft. 



So sieht's aus!

















Der Sommer war lang, doch hat er uns wie in jedem Jahr um diese Zeit kaltherzig im Stich gelassen und sich in Richtung Süden aufgemacht. Doch anstatt sich darüber zu freuen, dass mit ihm so viele Probleme und Unannehmlichkeiten - wie stinkende Schweißkörper in der Öffentlichkeit und der Wahn nach der perfekten Bikini-/Badehosefigur - bis zum nächsten Jahr erst einmal wieder vergessen sind, wird von vielen Seiten schon die nächste Panik geschoben. Das Leben könnte an diesen Tagen so entspannt sein, aber nein, lieber sucht der gemeine Normalo von Welt einen neuen herausfordernden Widersacher und hat ihn bereits gefunden: Den Herbst. Der wiederum denkt sich nichts weiter dabei, will uns einfach nur bewusst machen, dass für die nächste Zeit erstmal ein anderer Wind weht. Und da ist auch schon das Problem. Der Wind ist ein kalter Wind. Er bringt nicht nur Kälte, nein, er ruft auch das Bewusstsein für drohende dunkle Stunden der Einsamkeit ins Gedächtnis zurück. Und diese Kombination verträgt sich bei Singles dieses Landes eher ‚geht so’ gut. Noch weniger bei eher ‚geht so’ aussehenden Singles dieses Landes. Bei dem Gedanken daran, die kalten Patschehändchen mit den herzförmigen Taschenwärmerpads wiederbeleben und abends mit ihrem Seitenschläferkissen kuscheln zu müssen, ist schon jetzt, Anfang Oktober, Stufe 1 von 3 auf der Panikskala erreicht. Einzige Abhilfe: Ein menschliches Herzblatt finden. Die oftmals größten Steine, die einem dabei im Weg liegen können: Mangelnde Flirterfahrung, fehlendes Selbstbewusstsein, unehrliche Freunde & Mutti.

Wie gut, dass sich RTL ab morgen wieder ein Herz fasst und zusammenführt, was zusammengehört, mit oder ohne Mutti. Oder so ähnlich.

Früher war nicht unbedingt alles besser, aber anders. Zum Flirten und Kennenlernen des anderen Geschlechts zog man raus in die Singlebörsen-Wildnis mit der Hoffnung auf ein Wunder, ja, mit der Hoffnung am Ende des Abends nicht alleine die Eckkneipe verlassen zu müssen.

Und dann, ja dann kam der Revolutionär allen Flirtes, Datings und Kennenlernens: Das Internet. Das Internet mit seinen Datingseiten und Flirtportalen hat bis heute nicht nur tausende von Paaren zusammen geführt, nein, auch das Selbstbewusstsein eher ‚geht so’ aussehenden Singles verbessert und deren Empfindung von Scham erheblich gestört.

So reicht heute das simple und stumme Knuffen, Gruscheln und Anstupsen nicht mehr. Nein, heute gilt es das eigene Telegen - vorhanden oder nicht - zum Einsatz zu verpflichten. Das Ziel: In Sachen Liebe und Partnerschaft nichts anbrennen lassen und mal so richtig erfolgreich ranklotzen.

Wie gut, dass es noch The-Good-Old-Fernsehen und seine charmanten und einfühlsamen Moderatoren mit ungeahnten Kuppel-Künsten gibt, die das möglich machen!


Datingshows im Fernsehen. Was wären die privaten Sendeanstalten nur ohne ihr von den Zuschauern so sehr gehyptes, geliebtes und gleichzeitig auch verhasstes Format? Mit was würden sie sonst ihre Sendezeiten füllen, wenn nicht mit „Schwiegertochter gesucht“, „Der Bachelor“, „Auf Brautschau im Ausland“, „Land sucht Liebe“, „Großstadtliebe“, „Schwer verliebt“.... und natürlich dem Klassiker „Bauer sucht Frau“? Die sind mittlerweile nicht nur Quotengaranten, sondern auch Anlaufstelle für all jene geworden, die in ihrer Aussichtlosigkeit keinen anderen Weg mehr sehen, als mit Hilfe von wahren Liebesexperten des Fernsehens endlich in feste Hände zu kommen.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Datingshows im Fernsehen keine Erfindung der jüngeren Zeit sind. Schon in den 80ern wurden im deutschen Fernsehen bei „Herzblatt“ heftig Funken versprüht und seit den 90ern bei „Nur die Liebe zählt“ geherzschmerzt was das Zeug hält. Nur war das damals irgendwie cooler.
Lieg das vielleicht daran, dass damals seitens der Macher und Produzenten für die wichtige Dramaturgie noch nicht schamlos mit kitschiger Musik und tiefsten menschlichen Gefühlen in Sachen Dramaturgie gespielt wurde? Dass die Singles von damals noch Würde besaßen, sich nicht freiwillig zur Schau stellten und zum Klops einer ganzen Nation machten? Ob es vielleicht aber auch daran liegt, dass damals die Liebe noch irgendwie „echt“ und nicht auf günstigem Öko-Papier vorgeschrieben war?

Wenn schon Liebe im Fernsehen, dann doch bitte wieder echte, bedingungslose. So! Und da das bekannte Format mittlerweile schon so ausgelutscht sind, hätten wir, PENIBELichkeit, da eine ganz neue, freshe Idee: Warum es sich nicht ganz leicht machen und die ganze Sache einfach mal umdrehen? Entlieben statt Verlieben! Knallhart Schluss machen im Fernsehen! Mit richtig viel Dramatik, aber echt muss sie sein!
Kandidaten lassen sich bestimmt auch schnell finden. Vielleicht haben sogar die Interesse, die nach zwei Monaten Liebesglück dank Inka Bause, Vera Int Veen und Britt Hagedorn auf ihren Schatzi doch nicht mehr so viel Lust haben, denen aber der Mut fehlt, ohne fremde, professionelle Hilfe der Beziehung ein Ende zu setzen. Helfen könnte ihnen dann beispielsweise Dr. Jo Gerner, der wäre ja als Profi-Anwalt auch gleich der unter Umständen perfekt passende, nötige juristische Beistand. Für alle Fälle. Und ein Herz hat der mit Sicherheit auch!

Na, ihr lieben windigen Jung-TV-Produzenten, das wäre doch was, oder? Bei Interesse schicken wir euch unsere Idee gerne ungekürzt und überarbeitet. Selbstverständlich gern auch als PDF.

Bis dahin schauen wir ab morgen erstmal die achte Staffel „Bauer sucht Frau“. Schließlich wollen wir mitreden können und mit exzellenten Halbwissen glänzen, wenn es darum geht ‚Wer mit wem und überhaupt’.
Und ihr so?
Luise

Sonntag, 30. September 2012

Irgendwer mit Medien #2 - Anna Melcher.



Anna hat einen Nebenjob fernab der Studentenjob-Normalität  – 
Sie castet Protagonisten für Scripted Reality Sendungen

Studenten. Die Akademiker von Morgen. Von denen gibt es grob gesagt zwei Typen.

Die Einen sind faul, haben – anders als alle anderen -  seltsamerweise ständig frei und auf Real Life und Arbeitsmarkt noch weniger Bock, als auf die Klausurenphase am Ende des Semesters. Lieber hängen sie in irgendwelchen Kneipen rum, saufen sich ihr Leben noch entspannter, als es überhaupt schon ist und belohnen ihren eigenen, dauerhaften Selbstbeschiss in Sachen erbrachter Leistung nicht nur am Semesterende – nein, eigentlich permanent. Man gönnt sich ja sonst nichts. Finanziert wird der ganze Spaß selbstverständlich von Mama und Papa. Wie alles andere im Leben übrigens auch.

Die Anderen, die, die nicht das Glück haben, keinen Anspruch an sich und ihr Studium zu haben, ihrer Zukunft nicht schon jetzt den Mittelfinger zeigen und sich auf die dauerhafte Finanzspritze der reichen Eltern verlassen, denen bleibt nichts anderes übrig, als das eigene Leben schon während des Studiums selbst in die Hände zu nehmen, ordentlich ranzuklotzen und sich den Lebensunterhalt - so gut es eben geht - selbst zu finanzieren.

Was Letzteres angeht, quälen sich viele nach einem langen Vorlesungstag durch noch längere Schichten in diversen Bars, sitzen an Supermarktkassen oder holen sich die fiesesten Lungenentzündungen, während sie den Rauhaardackel der Omi von Nebenan liebevoll, aber bestimmend durch den Park zerren.
Viel cooler sind da Jobs fernab der unverblümten typischen Studentenjob-Realität. Jobs, mit denen man nebenbei nicht nur Eindruck schinden kann, sondern auch erste, für die spätere Karriere nützliche Berufserfahrungen sammelt.

Einen von diesen hat Anna Melcher. Sie ist 24 und hat das goldene Los gezogen, schon jetzt einen Job in der schillernden Medienwelt zu haben.
Nach dem Abi hat sie zunächst eine Ausbildung in einem ganz anderen Bereich gemacht, dann aber doch den Reiz und Charme der Medien erkannt und ein Praktikum bei einer  Produktionsfirma gemacht. Das hat ihr mal gleich so gut gefallen, dass sie sich dazu entschied, ein Studium zu beginnen, dass sie fit in Sachen Medien macht. So studiert sie jetzt in Düsseldorf Sozialwissenschaften und arbeitet nebenbei - nun nicht mehr als Praktikantin, sondern mittlerweile als Studentische Hilfskraft - bei oben erwähnter Produktionsfirma, die im Übrigen filmpool heißt und Fernsehen für RTL, RTL2, Vox und Sat.1 macht.

In einem Interview hat uns Anna erzählt,  was genau ihr Job bei filmpool ist, und warum ihr Nebenjob ein cooler Nebenjob ist.

Anna, du bist erst über Umwege zu den Medien gekommen. Wie kam’s?
Ich wollte erst gar nichts mit Medien machen, sondern hab erstmal eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Hab dann aber gemerkt, okay, das ist ein bisschen langweilig. Daraufhin hab ich mir gedacht, probierst du mal die Medien aus. Ich hab mich dann  bei der Castingabteilung von filmpool für ein Praktikum beworben und das glücklicherweise auch bekommen. Dort hab ich dann alle Grundlagen gelernt: Leute anrufen und einladen, sie währenddessen betreuen und schließlich auch casten. Und dabei bin ich dann einfach geblieben.

Wie sieht so der Arbeitsalltag bei dir aus? Und wie gut lässt sich der mit deinem Studium vereinbaren?
Das sieht so aus, dass wir in verschiedenen Städten Deutschlands casten. Wir fahren freitags im Team zusammen los  und casten die Leute, die sich bei uns beworben haben direkt vor Ort. Und dadurch, dass ich hauptsächlich am Wochenende arbeite, lässt sich das mit dem Studium richtig gut vereinbaren. Ich kann mir meine Arbeitszeit  so einteilen, wie es mir zeitlich passt.

Wenn du immer so viel unterwegs bist, dann bleibt dir vom Wochenende ja eigentlich nicht viel übrig. Fällt das in Sachen Uni nicht wahnsinnig schwer?
Ja, gerade wenn Klausurphase ist und man arbeitet, ist das schon anstrengend, aber wir arbeiten ja nicht rund um die Uhr. Nach dem Feierabend bleibt immer Zeit, um mit den Kollegen privat noch etwas zu unternehmen, oder eben etwas für die Uni zu machen.  Man muss nur lernen, sich selbst zu motivieren.

Um noch mal auf die Castings zu sprechen zu kommen: Wie muss man sich so ein Casting vorstellen?
Die Leute, die sich bei uns beworben haben, werden von uns zu dem Casting eingeladen. Vor dem eigentlichen Casting bekommen sie den Castingfall als Script in die Hand: Das ist eine allgemein geschriebene Geschichte, in die sich jeder gut rein versetzen kann und die von ihnen später gespielt werden soll. Den lesen sie sich dann in Ruhe durch und gehen anschließend in Gruppen von 5 bis 10 Leuten in den Raum, wo der Caster und der Bewerten sitzen. Das Casting wird immer von zwei Leuten aus unserem Team gemacht: Einer, der selbst eine bestimmte Rolle übernimmt und zusammen mit den Bewerbern den Castingfall durchspielt und einer,  der die Qualitäten des jeweiligen Bewerbers bewertet.

Und wie kommt ihr jetzt genau an die Leute, die sich bei euch bewerben?
Erstmal durch Zeitungsannoncen, in den jeweiligen Lokalzeitungen der Städte, in denen wir casten, z.B. Dresden, Leipzig, München, Osnabrück. Dann auch durch unseren Internetauftritt (www.filmpool.de). Aber viele Bewerber lesen auch in den Abspännen von  z.B. "Familien im Brennpunkt", "Richterin Barbara Salesch", "Niedrig und Kuhnt", "Verklag mich doch!", "X-Diaries" und "Berlin Tag und Nacht", dass wir diese Sendungen produzieren und rufen dann direkt bei uns an.

Und was sind das so für Leute, die sich bei euch bewerben?
Das ist echt ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Vom Anwalt und Arzt bis zur Fleischerei-Fachverkäuferin, aber auch Hartz 4- Empfängern. Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Auch viele Jüngere melden sich bei uns, denn gerade "Berlin Tag und Nacht" kommt bei denen so gut an, dass sie Lust haben, selbst mal mitzuspielen. Aber auch für "X-Diaries" bewerben sich viele, weil sie denken, sie können schön Urlaub machen, was aber nicht der Fall ist. Denn was viele vergessen, ist, dass so ein Dreh eben auch Arbeit ist.

Ihr castet ja hauptsächlich für Scripted Reality Formate. Wie reagieren denn die Leute in deinem Umfeld darauf, wenn du denen erzählst, was dein Nebenjob ist?
Gemischt. Die einen finden das, was ich dort mache ganz cool und interessant. Generell sind die Meinungen, wie man weiß, bei den Formaten geteilt. Aber generell kennt sie jeder, selbst die Leute, die sagen „Wie, Familie im Brennpunkt?! Voll asozial!“ haben die Sendung mit großer Sicherheit schon mal geschaut, auch wenn sie es versuchen abzustreiten.


Wie beurteilst du die Formate selbst? Findest du sie gut? Schaust du sie dir selbst an?
Ich guck’ mir die ab und an auch selbst an. Man kennt das ja: Man zappt durch und bleibt früher oder später dabei hängen. Selbstverständlich ist das kein investigativer Journalismus mit hohem Anspruch an sich selbst, aber eben leichte Kost und Unterhaltung. Wenn man sich einfach mal berieseln lassen will, kann es schon das Richtige sein.


Du, als quasi-Insiderin: Kannst du etwas zur Zukunft dieser Formate sagen?  Wie lange wird Scripted Reality noch die Fernsehlandschaft durchziehen?
Puh, schwer zu sagen. Aber ich glaub, das wird noch andauern, wie man an den Quoten der Sendungen sieht. Die sind konsequent am Steigen. Ich glaub, so schnell wird das nicht abflauen. Es sei denn, es gibt jetzt demnächst eine neue Entwicklung. Aber ich kann mir vorstellen,  dass das vorerst weiter anhalten wird, gerade was die Beliebtheit von Scripted Reality Formaten angeht. Denn die Nachfrage ist groß: Früher waren es nur zwei Programme am Nachmittag. Heute gibt es so gut wie keinen privaten Sender, der ohne das Format auskommt. Auch die Sendedauer spricht für sich.

Zurück zu deinem Job: Auf was kommt es eigentlich an? Was muss man mitbringen als Caster für solche Formate?
Offenheit. Aber auch nicht schüchtern zu sein, denn man muss sich trauen auf die Leute zuzugehen und ihnen nicht nur alles erklären, sondern unter Umständen auch selbst mitspielen. Wenn man da ein schüchterner Typ ist, dann läuft das nicht. Das sieht man auch daran, dass man die Bewerber beim Casting schon das ein oder andere Mal aus der Reserve locken und ihnen ihr Talent, wenn man es so nennen mag, bewusst machen muss.  Man muss sich trauen, auch mal ein bisschen lauter zu werden.
Ganz wichtig für den Job sind eben Menschenkenntnisse. Nur mit denen sieht man, dass man aus dem ein oder anderen Bewerben noch ein bisschen mehr herauskitzeln kann oder merkt, ‚Da geht doch noch mehr’!

So wie du von deinem Job erzählst, kannst du ihn also auf jeden Fall weiterempfehlen?
Ja, absolut, weil er der coolste Nebenjob der Welt ist!

Und wie sieht’s bei dir persönlich aus? Möchtest du später weiter in diesem Bereich arbeiten - also allgemein bei Produktionsfirmen - oder soll’s doch mal ganz woanders hingehen?
Da bin ich mir selbst noch nicht so sicher. Es macht auf jeden Fall großen Spaß und ist abwechslungsreich, kreativ. Das Problem generell bei den Medien sind immer die Arbeitszeiten. Wenn man eine Familie hat, ist Arbeiten am Wochenende vielleicht nicht ganz so schön. Es kommt immer auf die eigenen Lebensumstände an und wie man damit umgehen kann zu arbeiten, wenn Andere ein freies Wochenende haben.
Ich weiß nicht, wie sich mein Leben entwickelt und ob dann alles noch so passt, aber im Moment ist es genau das Richtige für mich.

Luise

Samstag, 25. August 2012

Sorry, Mr. Showmaster.


Wahre Charakterstärke zeigt sich in der Fähigkeit sich entschuldigen zu können.

Dieses Wochenende wird groß. Zumindest für uns, PENIBELichkeit. Unser erstes und wahrscheinlich auch letztes Festival dieses Sommers hat uns bereits fest im Griff und lässt uns minütlich voller Euphorie  und „Gude Laune, Alda“ aufjauchzen.
Dieses Wochenende dürfen wir uns unter keinen Umständen vermiesen lassen. Schon gar nicht von uns selbst. Doch ist da eine Kleinigkeit, die uns auf der Seele brennt: 
Das schlechte Gewissen.

Dinge falsch interpretiert. Schlechte – nein - keine journalistische Sorgfaltspflicht walten lassen. Eins und eins falsch zusammen gezählt. Wir schämen uns. Deswegen geht an diesem Samstag mit diesem Eintrag ein fettes Sorry an Herrn Heufer-Umlauf.


Es war im Juni. Und wir mittendrin beim Großevent des Jahres: Dem Schildkrötentag in Essen (wir berichteten). Heufer-Umlauf, der große Werbetrommelrührer dieser Veranstaltung selbst, gab sich nicht die Ehre, sondern schubste Fuck-Buddy Olli Schulz ins kalte Wasser und somit ran an die Turtle-Front. Unsere Mutmaßung zu diesen Umständen damals: Heufer-Umlauf, dieser Schlingel, zieht sich fein säuberlich aus der Turtle-Affäre und macht Urlaub! ....
Hätten wir nur schon damals gewusst, dass der allseits beliebte Crossmedia-Entertainer zu diesem Zeitpunkt in höchster Lebensgefahr schwebte (beruflich bedingt), hätten wir ihm doch natürlich nicht solch eine maßlose Arbeitsverweigerung unterstellt!

Der Grund warum er beim Schildkrötentag nicht anwesend war, ist ein ganz anderer, emotional höchst aufgeladener: Die Verteidigung der bisher medial errungenen Ehre!
 Worum es geht? Natürlich um den ewigen Kampf zwischen ihm und seinem ständigen Berufs-Weggefährten Winterscheidt (Joko sein Vorname). Was damals in ihrer ersten gemeinsamen TV-Show „MTV Home“ begann und seit letztem Jahr bei „Neoparadise“ knallhart fortgeführt wird, hat vor kurzem in der neuen, zweiteiligen Show der beiden seinen Klimax erreicht. Bei „Joko und Klaas – Das Duell um die Welt“ kämpfen die beiden Titanen erneut um die Ehre. Und erstmals auch um einen greifbaren WELTmeistertitel. Erreichen können sie diesen durch erbarmungslose, noch nie dagewesene Spiele, die sowohl während einer Reise um die Welt, als auch im Köln-Ossendorfer Studio bestritten werden müssen.
Beim Stichwort ‚Weltreise’ schließt sich nun also wieder der Kreis.
Klaas Heufer-Umlauf befand sich am Tag des Schildkröten-Events also nicht an irgendeinem Traumstrand, sondern wohlmöglich im schmutzigsten Fluss der Welt und fing sich gerade die schlimmsten Magen-Darm-Krankheiten ever ein. Wer weiß das schon?

Wir waren bei der zweiten Aufzeichnung dieses neuen Formats vor Ort in Köln. Und das großartige daran (deswegen gerade HEUTE dieser Eintrag, inklusive offizieller Entschuldigung), Teil 2 von „Joko und Klaas – Das Duell um die Welt“ gibt es heute im Fernsehen zu sehen.
Wer Weltmeister wird, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Aber soviel sei gesagt: Die Revanche des Verlierers wird mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen.

In diesem Sinne: Einschalten. Heute. ProSieben. 20:15.

Mission Schlechtes-Gewissen-Beseitigen. Completed.

 Luise

Dienstag, 17. Juli 2012

Irgendwer mit Medien #1 – Mirko Drotschmann.


Liebe Leser_innen,
wir haben ihn gefunden! – den ersten Medienmensch, der uns, den beiden momentan etwas orientierungslosen Irgendwas-mit-Medien-Studentinnen, aus seinem spannenden Berufsalltag berichtet und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, Antworten auf knallhart recherchierte, investigative Fragen zum Leben und Arbeiten in Rundfunk, Presse, Cyberspace und Co. zu geben.

Quelle: Mirko Drotschmann 
Mirko Drotschmann - 26 Jahre alt und als Medienschaffender vielseitig unterwegs: Er moderiert nicht nur bei diversen Radiosendern (N-JOY, DASDING) und schreibt für die Stuttgarter Zeitung, sondern arbeitet ebenso in der Redaktion der Kindernachrichten vom Kika und ZDF, Logo.
Doch nicht nur in Radio, Fernsehen und Zeitung ist der Herr unterwegs: Seit einiger Zeit betreibt er außerdem in seiner Freizeit einen YouTube-Channel und bringt sein im Studium erworbenes Wissen über Geschichte und Politik in Form von anschaulichen Nachhilfe-Videos an internetaffine, lernwilligen Schüler.

In einem exklusiven Interview mit uns, Penibelichkeit, berichtet Mirko über seinen Alltag als Macher medialer Produkte und erklärt uns und Ihnen, liebe Leser_innen, warum es gerade am Anfang einer Karriere in den Medien schwierig sein kann, sich auf ein Medium festzulegen. Außerdem spricht er mit uns unter anderem über den legendären Gossip der Branche, einschleichende Berufskrankheiten, seine Einschätzung zur Zukunft von Fernsehen und Internet und die Wichtigkeit von Freizeit im Leben eines Busy-Busy-Medienmenschens.

Quelle: Mirko Drotschmann
Mirko ist ein Beispiel par excellence dafür, dass es sich empfiehlt, schon früh die ersten Weichen zu stellen, plant man in den Medien durchzustarten: bereits während seiner schulischen Laufbahn war er Schreiberling für die schulinterne Zeitung, um nach dem Abi ein Praktikum beim jungen Programm des SWR, ‚Das Ding’, zu machen.
Wie das Schicksal oft so spielt, bekam er im Anschluss die Möglichkeit ein weiteres Jahr für den Sender als Moderator der Morningshow zu arbeiten. Doch auf diese frühen beruflichen Erfahrungen wollte sich Herr Drotschmann nach dieser Zeit nicht ausruhen. Was folgte war ein solides - wenn man das von den Geisteswissenschaften überhaupt sagen kann – Kulturwissenschafts- und Geschichtsstudium. Denn ohne einem akademischen Abschluss, so weiß man, läuft auch in den Medien mittlerweile nicht mehr viel.

Mirko, dir war also schon während der Schulzeit klar, dass du in die Medien gehen willst?
Mirko: Ja, auf jeden Fall! Ich wollte immer Sportreporter werden. Schon mit 14, 15, als großer Fußballfan,  fand ich es cool, wie die Reporter im Radio über den Sport berichteten. Später kam ich zur Schülerzeitung und hatte riesigen Spaß daran, journalistisch zu arbeiten. Ab da wusste ich dann eigentlich relativ schnell, dass ich in die Medien gehen wollte. Was ich allerdings nicht wusste, war, ob ich für eine Zeitung schreiben, oder für’s Radio arbeiten wollte. Ich hatte immer so Phasen. Und leider habe ich mich bis heute noch nicht entschieden. 

Wodurch kommt es, dass du dich nicht entscheiden kannst? Weil alles so interessant ist, oder weil es auch finanziell besser ist, mehrere verschiedene Sachen parallel zu machen?
Mirko: Sowohl als auch. Finanziell ist es leider nicht immer lukrativ, bei einer Zeitung zu arbeiten. Für die Artikel, die man schreibt, bekommt man nicht wirklich viel. Natürlich kommt es in Sachen Honorierung auch darauf an, wofür man schreibt. Aber wenn man nur als freier Mitarbeiter für eine Zeitung schreiben würde, dann wäre das ziemlich krass. Ich glaube, dass ich mich nicht entscheiden kann, weil alles seinen Reiz hat. Ich schreibe gern, weil man so schön mit Sprache arbeiten kann. Am Radio finde ich toll, dass man diesen Musikbezug hat und das direkte Feedback vom Hörer bekommt. Und das Fernsehen ist halt generell ein cooles Medium. Aber für mich selbst geplant hatte ich das nie. Das kam irgendwann einfach so.

.... dadurch, dass man beim Radio die richtigen Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft hat?
Mirko: Bei DasDing gibt es eine Sendung, DasDingTV, für dessen Klatsch und Tratsch- Rubrik vor einiger Zeit jemand gesucht wurde, der die Inhalte auch im Fernsehen präsentiert. Dafür hatte ich mich einfach mal aus Spaß beworben und wurde genommen. Das war dann der erste Kontakt für mich mit dem Fernsehen. DasDing ist insgesamt ein Programm, das immer trimedial arbeitet und sowohl Fernsehen, als auch Radio, und Internet abdeckt. Zu Logo, den Kindernachrichten, kam ich über eine Kollegin. Sie hatte mir empfohlen, dort ein Praktikum zu machen. Das hab ich gemacht und seitdem arbeite ich dort.

Thema Fernsehen: Wie siehst du YouTube? Wird dieses Medium das Fernsehen irgendwann ablösen?
Mirko: Das finde ich sehr spannend. Schon zu Unizeiten hab ich das verfolgt und mich damit auseinandergesetzt, wie YouTube gerade Jugendliche beeinflusst. Es gibt nicht auf der einen Seite Fernsehen und auf der anderen Seite Youtube, sondern beide gehören irgendwie zusammen. Die Leute behandeln YouTube wie einen Fernsehsender. Sie haben Abo-Listen und darin verschiedene Sendungen, die sie abends wie vor dem Fernseher schauen. Ich glaube, dass gerade das öffentlich-rechtliche Fernsehen  ziemlich verschläft, was momentan bei YouTube los ist und die Zeichen nicht erkennt. Aber nicht nur die: Generell haben die Fernsehsender noch nicht so ganz gecheckt, was für ein riesiger Markt YouTube ist. Man muss sich nur mal die Klick-Zahlen anschauen: Viele Videos von YouTubern haben mehr Zuschauer als Thomas Gottschalks Sendung je hatte. Und wenn die Fernsehsender da nicht drauf reagieren, dann sind sie irgendwann abgehängt von dem, was bei YouTube läuft.
Wobei man natürlich sagen muss, dass der Vergleich grundsätzlich nicht einfach ist: Manche Sachen funktionieren nur im Fernsehen. Z.B. so große Live-Sendungen wie ‚Schlag den Raab’ oder Fußballspiele. Bei solchen Sachen ist das Fernsehen immer noch weit vorne. Aber ich glaube, in Zukunft muss sich das Fernsehen neue Lücken suchen, wo es noch etwas anderes bietet, als das, was man auch im Internet bekommt.

Es gibt ja mittlerweile bei den Öffentlich-Rechtlichen den Trend, zumindest in den Spartensendern, ein wenig crossmedialer zu agieren, gerade beim ZDF - ZDFneo, etc.
Mirko: Genau. Gerade beim ZDF bekomme ich auch mit, wie stark dort auf die Mediathek gesetzt wird. NeoParadise beispielsweise schauen mehr Leute im Internet, als im Fernsehen an.