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Donnerstag, 23. Mai 2013

Wie ich die Heimat verließ und an George Clooney übergab.


Wie in jedem Jahr zu dieser Zeit ist mal wieder mächtig viel los in Cannes. Die örtlichen Filmfestspiele haben geladen und neben den hochkarätigen Filmschaffenden aus der ganzen Welt ist selbstverständlich auch ganz Namenswert-Hollywood an der sonnigen Côte d’Azur zugegen. Nur einer nicht: George Clooney. Anstatt das Leben an diesen Tagen an der wunderbar sonnigen französischen Mittelmeerküste zu genießen, macht der es sich gerade ganz woanders gemütlich – zwischen Bergen, Hexen und Käse im Harz. Where else?

George Clooney - neuer Liebling der Harzer Lokalpresse. (aus: Harzer Volksstimme)

Im Harz? mögen sich jetzt vermutlich einige fragen. Ja, im Harz. Während seine Schauspielerkollegen DiCaprio, Gosling und Douglas zur Zeit ihre neusten Filme in Cannes vorstellen, hält Mr. Clooney samt Hund und Kegel das kleine, grüne, geschichtsträchtige, aber doch eher verschlafene Fleckchen Erde in der Mitte Deutschlands in Atem. Doch nicht etwa – wie man denken könnte - um mit Rucksack und Wanderschuhen auf den Spuren Goethes oder Heines unterwegs zu sein und sich selbst ein Bild vom sagenumwobenen, mysteriösen Blocksberg zu machen. Nein – George Clooney macht hartes Hollywood-Business im Harz. Der Anlass seines Aufenthaltes: Der Dreh seines neuen Films "The Monuments Men", ein Film über Kunstexperten und -liebhaber, die während des zweiten Weltkriegs unter Einsatz ihres Lebens Museumsschätze vor den Nazis retteten.

Ja, und?! wird die nächste Frage sein, die man sich als Leser nun stellen mag, es kommt ja nun nicht so selten vor, dass die amerikanische Filmindustrie in Deutschland dreht. Recht haben Sie! Ich geben zu, dass das nicht weiter nennenswert wäre, wenn - ja, wenn Herr „what else?“ samt Crew nicht zufällig währenddessen seit fast einem Monat in Ilsenburg, dem verschlafenen 6.000 Einwohner-Harzstädtchen residieren würden, das ich - jetzt wieder gerne und mit etwas Stolz in der Brust – mein Heimatstädtchen nenne!
Zwar ist man durch ein Irgendwas-mit-Medien-Studium und paralleler Arbeit in der schillernden Medienwelt recht bald Promi-immun, aber wenn es darum geht, dass vier Jahre nachdem man die eigene Heimat hinter sich ließ - weil bis dato medientechnisch nie etwas los war-, aus dem Harz auf einmal eine Film-Hochburg wird, geht man plötzlich ganz anders an die Sache ran. Auch wenn man Herrn Clooney unter anderen Gegebenheiten  sonst andere Schauspieler vorziehen würde. Herrn Gosling zum Beispiel. Ich machte mich trotzdem auf den Weg in die alte Heimat.

Schon im Herbst des letzten Jahres war Clooney im Harz auf Drehortsuche für seinen Film. Doch klang das Ganze damals so abwegig, dass wohl niemand so wirklich daran glaubte, dass man tatsächlich im Harz drehen würde. Zu Unrecht! Jetzt, wenige Monate später wurde mal kurzerhand das gesamte 5-Sterne-Hotel der Stadt für einen Monat von George Clooney selbst für sich, Hund Einstein, die werten Kollegen Matt Damon, John Goodman, Mit-Produzent und Oscar-Preisträger Grant Heslov und den bunten Rest der Crew geblockt und mit Security und allem anderen Tamtam von der Außenwelt abgeschirmt.

Clooneys trautes Heim während der Dreharbeiten.
Im Vordergrund: Rudernde Filmcrew-Menschen. Wahrscheinlich.

Gedreht wird allerdings nicht in Ilsenburg, sondern in den benachbarten Städten Goslar, Osterwieck und Halberstadt, die neben alter Fachwerkstruktur vor allem einen Dom vorweisen, der für mehrere Tage gemietet werden kann (ich finde, so etwas ist ja vielleicht für private Zwecke auch mal gut zu wissen). Das stört meine ehemaligen Städtebrüder und -schwester aber eher wenig, wie ich feststellen musste: Im Stadtzentrum - insbesondere im Umkreis des Clooney-Zuhauses auf Zeit - sieht man momentan mehr Menschen als je zuvor. Plötzlich wird wieder auf Parkbänken und in Cafés gesessen, einfach mal so durch die Straßen geschlendert, oder im einzigen italienischen Restaurant der Stadt gespeist, welches – ganz zufällig, selbstverständlich – das Lieblingsrestaurant von George und seinem Team ist. Liebe Ilsenburger, ich habe euch ertappt! Das macht ihr doch sonst auch nie!

Das Promi-Fieber geht rum und packt jeden Harzer, musste ich mit Entsetzen feststellen. Und da macht die eigene Familie keine Ausnahme, leider: Mutter hat binnen weniger Tage ihr eigenes Fan-Girl-Sein für Kevin Costner und Harrison Ford an den Nagel gehängt und gehört seitdem dem Clooney-Gelage an. So werden neuerdings Zeitungsartikel ausgeschnitten und feinsäuberlich eingeschweißt, so, als wären es die ersten ausgefallenen Milchzähne der eigenen Kinder. Hollywood, was machst du nur aus den Menschen?

Ja, ja -  "Die Harzer feiern ihren Clooney" (aus: Harzer Volksstimme)

Ja, auch die örtliche Lokalpresse ist ganz aufgeregt und wuschig! Die Harzer Journalisten, die sonst vorwiegend über Kaninchenzüchtervereine und Wanderclubs berichten (kein Spaß!), fahren neuerdings täglich eine Sonderberichterstattung allererster Sahne auf, die Constanze Rick, Frauke Ludowig und Sibylle Weischenberg vor Neid und Anerkennung erblassen lässt! Fotos und Berichte zu Aufenthaltsorten nach Dreharbeiten und den Festivitäten Clooneys anlässlich seines im Harz gefeierten 52. Geburtstags füllen ganze Seiten. Das schafft noch nicht einmal der Bürgermeister!
Ja, irgendwie ist momentan alles etwas befremdlich in der Heimat. Doch irgendwann, zwischen diesem Hollywood-Dreh und dem nächsten, wenn der Hollywood-Glanz verfliegt, wird der Harz erneut in seinen gewohnten Dornröschenschlaf verfallen.
Aber wenn Ilsenburg  bis dahin momentan nicht The-Place-To-Be ist, welche Stadt dann?
Okay, okay – Cannes, vielleicht.

 Marie


„The Monuments Men“ –  Ein Film, der auf einer wahren Gegebenheit während des Zweiten Weltkriegs basiert. Eine Gruppe internationaler Kunstexperten versucht die von Nazis aus Museen, Kirchen und Privatbsitz gestohlenen kostbaren Kunstschätze zu retten. George Clooney führt nicht nur Regie und produziert den Film, sondern steht unter anderem neben Matt Damon, John Goodman, Cate Blanchett und Bill Murray vor der Kamera.
Der Film soll im Dezember diesen Jahres in die US-Kinos kommen. Der Filmstart für Deutschland ist 2014 geplant.

Montag, 4. Februar 2013

Irgendwer mit Medien #3 - Robert Hofmann und Edin Hasanovic - Teil 1


Liebe Leser_innen, man soll es kaum glauben.
Vor nicht mal einem Monat kündigten wir stolz wie eh und je an, dass ein weiteres, großes Interview mit zwei Irgendwers-mit-Medien in den Startlöchern stünde. Wann wir Ihnen dieses allerdings präsentieren wollten, hielten wir sicherheitshalber (man kennt ja unsere fixe Tipp-Fähigkeit) offen.
Umso mehr erstaunt es uns nun selbst, dass wir den ersten Teil schon jetzt in unseren Händen (bzw. im Laptop) halten. Aber nur Teil 1? Was ist denn da los?

Erst einmal der Reihe nach: Wir, die zwei Mädels von PENIBELichkeit, sind nach einem knappen Jahr in der Blogosphäre immer noch unerfahrene Küken, die leider gut gemeinte Ratschläge nicht immer annehmen. So auch geschehen am eisigkalten Donnerstagmittag, als wir uns mit Robert Hofmann, dem Kanalvater von DVDKritik - einem YouTube-Channel, auf dem er sich dem Rezensieren von Kino- und DVD-Filmen sowie deren Trailern widmet - sowie seinem Zweitkanal RoBSNToWN - auf dem die verschiedensten Videos (von Vlogs auf dem Dach bis hin zu der Verbreitung von unnützem Wissen) Platz finden - trafen. Mit dabei an besagtem Donnerstagmittag war außerdem sein Schauspielerkollege (dazu zu gegebener Zeit noch mehr) und teilweisiger Kurzzeit-Channel-WG-Partner Edin Hasanovic, der in regelmäßigen Abständen als Klamauk-Mitmacher auf Roberts zweitem Kanal zu finden ist. 
Fragte Robert uns, angekommen am Treffpunkt des Interviews, erstaunt, ob wir das Gespräch tatsächlich als Audiodatei aufnehmen und später abtippen wollten, antworteten wir noch voller Motivation: „Natürlich!“
Tja, nun haben wir den Salat. Dass es sich bei den beiden werten Herren nicht unbedingt um die wortkargsten Geschöpfe auf Erden handelt, hatten wir kurzzeitig verdrängt. Umso schlimmer war dann der Schock, als wir sahen, wie lange tatsächlich das Aufschreiben des Mittags, der so gemütlich bei Möhrenkuchen (natürlich NICHT für die Herren – denn wer bitte nimmt schon Gemüse in Form von Kuchen zu sich?) und Tee begann, dauert. Und das, obwohl wir doch wie kleine HB-Männchen an unserem Abschluss (an unserer Bachelorarbeit – eieiei, es wird konkret) arbeiten und für solche Eskapaden eigentlich gar keine Zeit haben.
Aber, und das betonen wir immer wieder gern: Wir wären nicht wir, wenn wir Ihnen nicht trotzdem etwas – wenn auch nur in „kleinen“ Häppchen – präsentieren wollen würden! Und da wir dann doch nicht ganz untätig dasaßen, und schon fleißig waren, gibt es für Sie hier nun den ersten (von insgesamt drei – sie können sich das Längen-Ausmaß also ungefähr vorstellen) Teil des Interviews.
Bevor wir Sie nun aber endlich entlassen, seien noch ein paar Worte gesagt:
Das Ganze mag ein wenig roher erscheinen, als man Interviews normalerweise gewöhnt ist. Aber das ist kein Versehen, sondern genau so gewollt. Wer die Beiden kennt, erwartet genau das, was wir Ihnen nun liefern. Ein zu glattgebügeltes Interview würde weder zu unseren Interviewpartnern, noch zu uns selbst passen. Und da auch Robert und Edin vollstens auf Authentizität setzen, haben wir uns entschieden, so wenig, wie nur irgend möglich zu streichen oder abzuändern. Und so sind auch unrunde oder chaotische Stellen geblieben, wie Sie gleich schon zu Anfang sehen werden.
All das nur zu Ihrem Amüsement!
Und damit das ohnehin schon viel zu lange Interview nicht noch länger wird, geht es nun endlich los:
Robert und Edin. Eine echte Männerfreundschaft (a.k.a. Bromance)

Marie: Findet ihr immer noch, dass es eine gute Entscheidung war, das zusammen zu machen? Wir haben gerade schon gemerkt: Das ist nicht immer ganz so harmonisch bei euch.
Robert: Es ist nicht immer ganz so harmonisch?
Edin: Wie bitte? Das ist hier voll die „BILD“! Jetzt legt die uns hier irgendwas in den Mund.
Robert: Genau, du Arschloch.
Edin: Das ist überhaupt nicht harmonisch.
Robert: Ja? Wann hast du das gemerkt?

Marie: Ihr zickt schon so’n bisschen.
Robert: Das ist aber doch nur Spaß-Zicken.
Edin: Meinst du wir zicken untereinander?
Robert: Eigentlich nie.
Edin: Wir zicken gegen euch, das habt ihr gar nicht gemerkt.
Robert: Ja. Das ist einfach nur eine Frage von Düsseldorf und Berlin. Nee. Die Frage war eigentlich eine andere.
Edin: Ach so: Die Zeit für das Interview läuft übrigens jetzt (dreht eine Eier-Sanduhr um). 5 Minuten.
(Allgemeines Gelächter)
Robert: Die müssen jetzt versuchen, uns ernsthaft Fragen zu stellen. Und wir müssen ernsthaft antworten.

Marie: Also ihr macht den Kanal ja quasi zusammen.
Robert: Welchen Kanal?
Edin: Nee, nee, nee, Moment.
Robert: Ich habe viele.

Aline: Er möchte erstmal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit: Neben deinem Hauptkanal, Robert, war es da eine gute Idee…
Edin: Ziemlich albern, Robert.
Robert: Also, dass wir den Kanal zusammen machen,
Edin: das dürft ihr nicht sagen.

Marie: Okay, dann dass du mitmachen darfst.
Edin: Genau.

Marie: Findest du auch heute noch, dass es eine gute Entscheidung war, dass du ihn quasi mit ins Boot geholt hast?
Robert: Nee, doch, schon. Darf ich trotzdem ein bisschen witziger…?

Marie: Natürlich.
Edin: (gekünsteltes Lachen)
Robert: Also generell wusste ich eigentlich von Anfang an, dass es gut funktionieren würde, weil wir uns schon ganz lange kennen. Und ich weiß, dass dadurch quasi die zweite Energiewelle kommt, die die Zuschauer abholt, so dass jeder etwas findet, was ihm richtig Spaß macht. Die einen freuen sich darüber, wie Edin lacht, die anderen mögen meinen Humor, und mögen einfach unsere Einstellung zusammen. Edin ist radikaler, und ich bin immer ein bisschen mehr in mich geruht. Aber irgendwie funktioniert das zusammen halt immer super. Aber viele von den Zuschauern waren sich am Anfang sehr unsicher. Ich bekomm heute noch Nachrichten, die sagen „Ah, als ich das das erste Mal gesehen habe, war ich mir unsicher, aber inzwischen ist es mein Lieblingskanal geworden, weil die Videos mit euch die Videos sind, die ich als erstes gucke“ und es ist schon fast übertrieben, wie die Zuschauer teilweise agieren, wenn Videos von uns da sind. Also ich find’s super.
Edin: Wir ergänzen uns halt ziemlich gut, dadurch, dass wir uns solange kennen. Man kennt sich halt unglaublich gut, und was er mit radikal meint, ist, dass ich mehr aus dem Bauch heraus sage und mache, und er eher darüber nachdenkt und das reflektiert. Und ich dadurch wahrscheinlich schneller Fehler mache, oder ich dadurch schneller mal etwas sagen, das aneckt.
Robert: Wobei das aber nicht negativ sein muss.
Edin: Nö. Hab ich ja auch nicht gesagt.

Aline: Und hattet ihr zuerst Sorgen, dass dieses Konzept so, wie es ist, nicht reicht? Wart ihr euch sicher, dass ihr als Personen interessant genug seid?
Robert: Ich glaub, ich mache mir von uns beiden immer mehr Gedanken darüber was funktioniert, und versuche eine Idee zu kreieren, bei der ich hoffe, dass die Zuschauer sie mögen. Sorgen gemacht hab ich mir nie, weil auf YouTube alle, die Erfolg haben, die irgendwie groß sind, fast total gescriptet wirken. Die haben immer einen Plan von dem, was sie machen, was die Gags angeht. Zumindest bei denen, die Unterhaltung machen, was immer am meisten wächst, wenn man nach den Plays geht. Sie sind extrem vorhersehbar, auch nicht gut gespielt. Und die Leute sehnen sich nach dem, was sie aus dem Fernsehen kennen: Nach Authentizität, nach Ungeschnittenem, und nach einem gewissen Flow. Nach Echtheit, nach Chemie. Natürlich kannst du dich jetzt nicht einfach hinsetzen – und das versuchen auch ganz viele. Die denken dann: „Okay, das ist cool. Ich setz mich einfach hin und mach 5 Minuten nichts“ – das wollen die Leute auch nicht sehen. Du musst einfach was ausstrahlen und rüberbringen. Aber eben ehrlich.
Edin: Ich hab mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht am Anfang, ob’s funktioniert.  Ich mein, du siehst die Zuschauer nicht. Du hast eine Kamera vor dir, du sitzt da, und wir hatten einfach bei den ersten Videos, das war „Brainstorming“, unglaublich viel Spaß. Also, wir haben uns echt totgelacht. Und das ist für mich echt das Wichtigste, dass das Zwerchfell danach durchmassiert ist und ob das funktioniert ist mir im Endeffekt völlig Wurst.
Robert: War das das erste Brainstorming?
Edin: Naja, wir haben vorher noch einen Berlin Vlog gemacht, wo ich gefahren bin, aber da war das noch nicht so richtig „ich“.
Robert: Richtig. Ich hab mir gestern noch überlegt, was das erste war, und war zu faul um zu gucken.


Aline: Aber habt ihr da nicht manchmal ein bisschen Sorge, dass ihr vor der Kamera sitzt und euch eben nicht bewusst ist, wie viele das im Endeffekt tatsächlich sehen?
Edin: Ja, deswegen gucken wir uns das nochmal an.
Robert: Ich muss es schon sehr schneiden, das Material.
Nein, eigentlich nicht, weil wir irgendwie wirklich immer das sagen, was wir denken. Und eigentlich auch sprachgewandt genug sind, um das Ganze so zu verpacken, dass es auch richtig ankommt bei den Zuschauern. Klar, es gibt immer so Leute: „Haters gonna hate“. Wer dich hassen will, der wird’s dir irgendwie vor die Nase knallen. Aber generell: Überhaupt keine Angst, weil wir stehen beide zu unseren Einstellungen und zu dem was wir sagen, zu dem was wir tun. Und man sieht’s ja auch, die Leute mögen es, und insofern mach ich mir da überhaupt gar keine Sorgen. Es wird ja auch keiner gezwungen, sich das anzugucken.

Aline: Und diese Sorge, dass das Internet nie vergisst und die Videos auch in 20 Jahren noch zu sehen sein werden?
Edin: Wir vertrauen halt auf uns. Wir sind keine schlechten Menschen, die etwas Schlechtes denken. Und darauf vertraue ich. Ich passe deshalb nicht auf, dass ich bloß nicht sage, was ich denke. Sondern ich sage es, weil ich weiß, dass ich das irgendwie vertreten kann. Und wenn mir in drei Jahren jemand sagt: „Guck mal, was du da gesagt hast“, dann sag ich: „Ja, damals hab ich das so gesagt, und heute ist es vielleicht nicht mehr so.“

Aline: Seid ihr der Meinung, dass man dafür ein bestimmter Typ sein muss? Weil es ja auch viele Leute gibt, die zu ihrer Meinung stehen und sich trotzdem nicht dabei wohlfühlen, diese in eine Kamera zu sprechen?
Robert & Edin: Wofür genau?

Aline: Sich vor der Kamera präsentieren zu wollen.
Edin: Klar. Also ich sage immer, dass ich nie allein vor der Kamera sitzen könnte. Ich glaube, dass die Leute das… ich bin überhaupt nicht sympathisch, glaube ich. Ich glaube, dass ich nur mit ihm funktioniere vor der Kamera.
Robert: Dieses vor der Kamera sitzen ist ja auch immer nur ein Aspekt von diesem ganzen YouTube-Ding. Dazu gehört noch ganz viel mehr. Wie funktioniert das? Alleine an Technik und Schnitt, man muss ja ein bisschen Ahnung von Licht setzen etc. haben. Aber generell… du musst halt schnell reagieren können. Wenn du nicht alles in 30 Schnitte setzen willst, musst du schnell eine Idee haben: „Wie kriegst du jetzt das nächste Thema, was den Leuten Spaß macht?“ Und du musst immer natürlich sein und darauf vertrauen, dass es irgendwie klappt. Du brauchst eine unglaubliche innere Ruhe und Gelassenheit um zu sagen: „Ich hab keinen Plan, aber das wird schon.“ Das ist eher das Schwierige.

Marie: Ihr macht das ja in so einer Doppel-Kombo. Joko und Klaas machen das genauso. Seht ihr euch auch so ein bisschen in einer ähnlichen Position? Dass ihr das vielleicht so ein bisschen nutzt?
Robert: Was nutzen wir?

Marie: Quasi das Konzept, das Joko und Klaas auch haben. Der eine macht einen Witz, der andere lacht drüber…
Edin: Aber was meinst du jetzt? Dass wir vor ZDFneo sitzen und denken: „Ach, guck ma!“
Robert: Grüße!

Marie: Könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass auch mal zu machen, sagen wir’s mal so? So ein Konzept.
Robert: Also erstmal, als wir angefangen haben gab es glaube ich überhaupt kein Konzept. Ich hab gesagt: „Ey, hast du Bock, wollen wir was machen?“ und dann lief das. Da denkt man nicht darüber nach, und so führt eins zum anderen. So wie das halt ist: Je mehr Leute das sehen, desto mehr Leute haben Interesse daran. Aber generell, wenn sich jemand hinstellt und sagt: „Wir wollen euch für das, was ihr bis jetzt gemacht habt, etwas zahlen und ihr könnt das auch noch häufiger machen und kriegt Studios und alles, was ihr braucht“, dann sag ich nicht nein, weil ich daran Spaß habe.
Aber ich denk dabei nicht an Joko und Klaas. Die haben super Glück mit dem, was sie machen, und sie machen auch richtig coole Sachen. Also ich mag die Beiden super gerne, aber die sind überhaupt keine Vorbilder, zumindest in diese Richtung. Wir machen einfach nur irgendetwas, und die Leute mögen es irgendwie.