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Montag, 4. Februar 2013

Irgendwer mit Medien #3 - Robert Hofmann und Edin Hasanovic - Teil 1


Liebe Leser_innen, man soll es kaum glauben.
Vor nicht mal einem Monat kündigten wir stolz wie eh und je an, dass ein weiteres, großes Interview mit zwei Irgendwers-mit-Medien in den Startlöchern stünde. Wann wir Ihnen dieses allerdings präsentieren wollten, hielten wir sicherheitshalber (man kennt ja unsere fixe Tipp-Fähigkeit) offen.
Umso mehr erstaunt es uns nun selbst, dass wir den ersten Teil schon jetzt in unseren Händen (bzw. im Laptop) halten. Aber nur Teil 1? Was ist denn da los?

Erst einmal der Reihe nach: Wir, die zwei Mädels von PENIBELichkeit, sind nach einem knappen Jahr in der Blogosphäre immer noch unerfahrene Küken, die leider gut gemeinte Ratschläge nicht immer annehmen. So auch geschehen am eisigkalten Donnerstagmittag, als wir uns mit Robert Hofmann, dem Kanalvater von DVDKritik - einem YouTube-Channel, auf dem er sich dem Rezensieren von Kino- und DVD-Filmen sowie deren Trailern widmet - sowie seinem Zweitkanal RoBSNToWN - auf dem die verschiedensten Videos (von Vlogs auf dem Dach bis hin zu der Verbreitung von unnützem Wissen) Platz finden - trafen. Mit dabei an besagtem Donnerstagmittag war außerdem sein Schauspielerkollege (dazu zu gegebener Zeit noch mehr) und teilweisiger Kurzzeit-Channel-WG-Partner Edin Hasanovic, der in regelmäßigen Abständen als Klamauk-Mitmacher auf Roberts zweitem Kanal zu finden ist. 
Fragte Robert uns, angekommen am Treffpunkt des Interviews, erstaunt, ob wir das Gespräch tatsächlich als Audiodatei aufnehmen und später abtippen wollten, antworteten wir noch voller Motivation: „Natürlich!“
Tja, nun haben wir den Salat. Dass es sich bei den beiden werten Herren nicht unbedingt um die wortkargsten Geschöpfe auf Erden handelt, hatten wir kurzzeitig verdrängt. Umso schlimmer war dann der Schock, als wir sahen, wie lange tatsächlich das Aufschreiben des Mittags, der so gemütlich bei Möhrenkuchen (natürlich NICHT für die Herren – denn wer bitte nimmt schon Gemüse in Form von Kuchen zu sich?) und Tee begann, dauert. Und das, obwohl wir doch wie kleine HB-Männchen an unserem Abschluss (an unserer Bachelorarbeit – eieiei, es wird konkret) arbeiten und für solche Eskapaden eigentlich gar keine Zeit haben.
Aber, und das betonen wir immer wieder gern: Wir wären nicht wir, wenn wir Ihnen nicht trotzdem etwas – wenn auch nur in „kleinen“ Häppchen – präsentieren wollen würden! Und da wir dann doch nicht ganz untätig dasaßen, und schon fleißig waren, gibt es für Sie hier nun den ersten (von insgesamt drei – sie können sich das Längen-Ausmaß also ungefähr vorstellen) Teil des Interviews.
Bevor wir Sie nun aber endlich entlassen, seien noch ein paar Worte gesagt:
Das Ganze mag ein wenig roher erscheinen, als man Interviews normalerweise gewöhnt ist. Aber das ist kein Versehen, sondern genau so gewollt. Wer die Beiden kennt, erwartet genau das, was wir Ihnen nun liefern. Ein zu glattgebügeltes Interview würde weder zu unseren Interviewpartnern, noch zu uns selbst passen. Und da auch Robert und Edin vollstens auf Authentizität setzen, haben wir uns entschieden, so wenig, wie nur irgend möglich zu streichen oder abzuändern. Und so sind auch unrunde oder chaotische Stellen geblieben, wie Sie gleich schon zu Anfang sehen werden.
All das nur zu Ihrem Amüsement!
Und damit das ohnehin schon viel zu lange Interview nicht noch länger wird, geht es nun endlich los:
Robert und Edin. Eine echte Männerfreundschaft (a.k.a. Bromance)

Marie: Findet ihr immer noch, dass es eine gute Entscheidung war, das zusammen zu machen? Wir haben gerade schon gemerkt: Das ist nicht immer ganz so harmonisch bei euch.
Robert: Es ist nicht immer ganz so harmonisch?
Edin: Wie bitte? Das ist hier voll die „BILD“! Jetzt legt die uns hier irgendwas in den Mund.
Robert: Genau, du Arschloch.
Edin: Das ist überhaupt nicht harmonisch.
Robert: Ja? Wann hast du das gemerkt?

Marie: Ihr zickt schon so’n bisschen.
Robert: Das ist aber doch nur Spaß-Zicken.
Edin: Meinst du wir zicken untereinander?
Robert: Eigentlich nie.
Edin: Wir zicken gegen euch, das habt ihr gar nicht gemerkt.
Robert: Ja. Das ist einfach nur eine Frage von Düsseldorf und Berlin. Nee. Die Frage war eigentlich eine andere.
Edin: Ach so: Die Zeit für das Interview läuft übrigens jetzt (dreht eine Eier-Sanduhr um). 5 Minuten.
(Allgemeines Gelächter)
Robert: Die müssen jetzt versuchen, uns ernsthaft Fragen zu stellen. Und wir müssen ernsthaft antworten.

Marie: Also ihr macht den Kanal ja quasi zusammen.
Robert: Welchen Kanal?
Edin: Nee, nee, nee, Moment.
Robert: Ich habe viele.

Aline: Er möchte erstmal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit: Neben deinem Hauptkanal, Robert, war es da eine gute Idee…
Edin: Ziemlich albern, Robert.
Robert: Also, dass wir den Kanal zusammen machen,
Edin: das dürft ihr nicht sagen.

Marie: Okay, dann dass du mitmachen darfst.
Edin: Genau.

Marie: Findest du auch heute noch, dass es eine gute Entscheidung war, dass du ihn quasi mit ins Boot geholt hast?
Robert: Nee, doch, schon. Darf ich trotzdem ein bisschen witziger…?

Marie: Natürlich.
Edin: (gekünsteltes Lachen)
Robert: Also generell wusste ich eigentlich von Anfang an, dass es gut funktionieren würde, weil wir uns schon ganz lange kennen. Und ich weiß, dass dadurch quasi die zweite Energiewelle kommt, die die Zuschauer abholt, so dass jeder etwas findet, was ihm richtig Spaß macht. Die einen freuen sich darüber, wie Edin lacht, die anderen mögen meinen Humor, und mögen einfach unsere Einstellung zusammen. Edin ist radikaler, und ich bin immer ein bisschen mehr in mich geruht. Aber irgendwie funktioniert das zusammen halt immer super. Aber viele von den Zuschauern waren sich am Anfang sehr unsicher. Ich bekomm heute noch Nachrichten, die sagen „Ah, als ich das das erste Mal gesehen habe, war ich mir unsicher, aber inzwischen ist es mein Lieblingskanal geworden, weil die Videos mit euch die Videos sind, die ich als erstes gucke“ und es ist schon fast übertrieben, wie die Zuschauer teilweise agieren, wenn Videos von uns da sind. Also ich find’s super.
Edin: Wir ergänzen uns halt ziemlich gut, dadurch, dass wir uns solange kennen. Man kennt sich halt unglaublich gut, und was er mit radikal meint, ist, dass ich mehr aus dem Bauch heraus sage und mache, und er eher darüber nachdenkt und das reflektiert. Und ich dadurch wahrscheinlich schneller Fehler mache, oder ich dadurch schneller mal etwas sagen, das aneckt.
Robert: Wobei das aber nicht negativ sein muss.
Edin: Nö. Hab ich ja auch nicht gesagt.

Aline: Und hattet ihr zuerst Sorgen, dass dieses Konzept so, wie es ist, nicht reicht? Wart ihr euch sicher, dass ihr als Personen interessant genug seid?
Robert: Ich glaub, ich mache mir von uns beiden immer mehr Gedanken darüber was funktioniert, und versuche eine Idee zu kreieren, bei der ich hoffe, dass die Zuschauer sie mögen. Sorgen gemacht hab ich mir nie, weil auf YouTube alle, die Erfolg haben, die irgendwie groß sind, fast total gescriptet wirken. Die haben immer einen Plan von dem, was sie machen, was die Gags angeht. Zumindest bei denen, die Unterhaltung machen, was immer am meisten wächst, wenn man nach den Plays geht. Sie sind extrem vorhersehbar, auch nicht gut gespielt. Und die Leute sehnen sich nach dem, was sie aus dem Fernsehen kennen: Nach Authentizität, nach Ungeschnittenem, und nach einem gewissen Flow. Nach Echtheit, nach Chemie. Natürlich kannst du dich jetzt nicht einfach hinsetzen – und das versuchen auch ganz viele. Die denken dann: „Okay, das ist cool. Ich setz mich einfach hin und mach 5 Minuten nichts“ – das wollen die Leute auch nicht sehen. Du musst einfach was ausstrahlen und rüberbringen. Aber eben ehrlich.
Edin: Ich hab mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht am Anfang, ob’s funktioniert.  Ich mein, du siehst die Zuschauer nicht. Du hast eine Kamera vor dir, du sitzt da, und wir hatten einfach bei den ersten Videos, das war „Brainstorming“, unglaublich viel Spaß. Also, wir haben uns echt totgelacht. Und das ist für mich echt das Wichtigste, dass das Zwerchfell danach durchmassiert ist und ob das funktioniert ist mir im Endeffekt völlig Wurst.
Robert: War das das erste Brainstorming?
Edin: Naja, wir haben vorher noch einen Berlin Vlog gemacht, wo ich gefahren bin, aber da war das noch nicht so richtig „ich“.
Robert: Richtig. Ich hab mir gestern noch überlegt, was das erste war, und war zu faul um zu gucken.


Aline: Aber habt ihr da nicht manchmal ein bisschen Sorge, dass ihr vor der Kamera sitzt und euch eben nicht bewusst ist, wie viele das im Endeffekt tatsächlich sehen?
Edin: Ja, deswegen gucken wir uns das nochmal an.
Robert: Ich muss es schon sehr schneiden, das Material.
Nein, eigentlich nicht, weil wir irgendwie wirklich immer das sagen, was wir denken. Und eigentlich auch sprachgewandt genug sind, um das Ganze so zu verpacken, dass es auch richtig ankommt bei den Zuschauern. Klar, es gibt immer so Leute: „Haters gonna hate“. Wer dich hassen will, der wird’s dir irgendwie vor die Nase knallen. Aber generell: Überhaupt keine Angst, weil wir stehen beide zu unseren Einstellungen und zu dem was wir sagen, zu dem was wir tun. Und man sieht’s ja auch, die Leute mögen es, und insofern mach ich mir da überhaupt gar keine Sorgen. Es wird ja auch keiner gezwungen, sich das anzugucken.

Aline: Und diese Sorge, dass das Internet nie vergisst und die Videos auch in 20 Jahren noch zu sehen sein werden?
Edin: Wir vertrauen halt auf uns. Wir sind keine schlechten Menschen, die etwas Schlechtes denken. Und darauf vertraue ich. Ich passe deshalb nicht auf, dass ich bloß nicht sage, was ich denke. Sondern ich sage es, weil ich weiß, dass ich das irgendwie vertreten kann. Und wenn mir in drei Jahren jemand sagt: „Guck mal, was du da gesagt hast“, dann sag ich: „Ja, damals hab ich das so gesagt, und heute ist es vielleicht nicht mehr so.“

Aline: Seid ihr der Meinung, dass man dafür ein bestimmter Typ sein muss? Weil es ja auch viele Leute gibt, die zu ihrer Meinung stehen und sich trotzdem nicht dabei wohlfühlen, diese in eine Kamera zu sprechen?
Robert & Edin: Wofür genau?

Aline: Sich vor der Kamera präsentieren zu wollen.
Edin: Klar. Also ich sage immer, dass ich nie allein vor der Kamera sitzen könnte. Ich glaube, dass die Leute das… ich bin überhaupt nicht sympathisch, glaube ich. Ich glaube, dass ich nur mit ihm funktioniere vor der Kamera.
Robert: Dieses vor der Kamera sitzen ist ja auch immer nur ein Aspekt von diesem ganzen YouTube-Ding. Dazu gehört noch ganz viel mehr. Wie funktioniert das? Alleine an Technik und Schnitt, man muss ja ein bisschen Ahnung von Licht setzen etc. haben. Aber generell… du musst halt schnell reagieren können. Wenn du nicht alles in 30 Schnitte setzen willst, musst du schnell eine Idee haben: „Wie kriegst du jetzt das nächste Thema, was den Leuten Spaß macht?“ Und du musst immer natürlich sein und darauf vertrauen, dass es irgendwie klappt. Du brauchst eine unglaubliche innere Ruhe und Gelassenheit um zu sagen: „Ich hab keinen Plan, aber das wird schon.“ Das ist eher das Schwierige.

Marie: Ihr macht das ja in so einer Doppel-Kombo. Joko und Klaas machen das genauso. Seht ihr euch auch so ein bisschen in einer ähnlichen Position? Dass ihr das vielleicht so ein bisschen nutzt?
Robert: Was nutzen wir?

Marie: Quasi das Konzept, das Joko und Klaas auch haben. Der eine macht einen Witz, der andere lacht drüber…
Edin: Aber was meinst du jetzt? Dass wir vor ZDFneo sitzen und denken: „Ach, guck ma!“
Robert: Grüße!

Marie: Könnt ihr euch vielleicht vorstellen, dass auch mal zu machen, sagen wir’s mal so? So ein Konzept.
Robert: Also erstmal, als wir angefangen haben gab es glaube ich überhaupt kein Konzept. Ich hab gesagt: „Ey, hast du Bock, wollen wir was machen?“ und dann lief das. Da denkt man nicht darüber nach, und so führt eins zum anderen. So wie das halt ist: Je mehr Leute das sehen, desto mehr Leute haben Interesse daran. Aber generell, wenn sich jemand hinstellt und sagt: „Wir wollen euch für das, was ihr bis jetzt gemacht habt, etwas zahlen und ihr könnt das auch noch häufiger machen und kriegt Studios und alles, was ihr braucht“, dann sag ich nicht nein, weil ich daran Spaß habe.
Aber ich denk dabei nicht an Joko und Klaas. Die haben super Glück mit dem, was sie machen, und sie machen auch richtig coole Sachen. Also ich mag die Beiden super gerne, aber die sind überhaupt keine Vorbilder, zumindest in diese Richtung. Wir machen einfach nur irgendetwas, und die Leute mögen es irgendwie.

Donnerstag, 29. März 2012

Traurig, aber wahr - Das Aus für 'Die Harald Schmidt Show'


Wir haben es versucht. Wirklich. Wir, PENIBELichkeit, sind dem (groß)mütterlichen Rat gefolgt: „Schlaf ’ne Nacht drüber. Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus!“
Als ob! Was für eine Lüge! Gerade heute wird uns das wirkliche Ausmaß der gestrigen katastrophalen und desaströsen Nachricht erst so richtig bewusst!


Was musste Deutschland da lesen? Sat.1 ließ verkünden: Ab dem 3. Mai ist Schluss mit der Harald Schmidt Show. Schluss mit qualitativ hochwertiger, geistreicher, manchmal niveauloser (aber wen kümmert das heutzutage in dümmer-geht’s-kaum-Deutschland noch?), dennoch auf den Punkt gebrachter Satire und Verarsche zur späten Abendstunde. Comeback? Ausgeschlossen. Sat.1 hat einen Schlussstrich gezogen und sich von seinem Urgestein Schmidt verabschiedet. Grund: Ausbleibende Quote (oder vielleicht doch die agressiven Hass-Tweets auf Twitter? Hoffentlich nicht!). Man spricht in Sachen Marktanteile sogar von „Gottschalk-Niveau“. Das ist nicht nur bitter, sondern grenzt unserer Meinung nach schon fast an Beleidigung! Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Gottschalk und seine von übermäßig vielen Seiten kritisierte, vielmehr noch, ausgelachte Sendung bekommt schon nach erfolglosen zwei Monten einen Relaunch und Schmidt wird in Zeiten der allgemeinen und alle Bereiche erfassenden Krise keine Zuversicht auf Besserung geschenkt?   Dabei war und ist Harald Schmidt ein Mann, der zu kämpfen wusste. Schon einmal verabschiedete er sich mit seiner Show vom Mutterschiff Sat.1, um sich einer kurzen, zum Scheitern verdammten Liaison mit dem Öffentlich-Rechtlichen und unnützen Side-Kick Pocher hinzugeben. Doch kam er im letzten Jahr mit erhobenem Haupt zurück. Und wie er zurückkam! Zog er doch seinen Sender aus dem Sumpf der Bedeutungslosigkeit heraus und verschaffte dem altbekannten Format dank kompetenter Mitarbeiter à la Heufer-Umlauf, Böhmermann, Krause und Co. neuen Glanz. Doch scheinbar interessiert so etwas nicht. Scheinheilig wurde ihm sogar kürzlich ein dritter Sendetag pro Woche zugestanden. Zufall oder eiskalte Berechnung? Fernseh-Deutschland, was ist nur aus dir geworden?

Eines steht fest: Harald Schmidt gehörte für uns zu Sat.1 wie das Mett zum Igel, wie der sympathische Sprachfehler zu Katja Burkard - mehr noch -  wie der fehlende Glanz zum Amt des Bundespräsidenten.

Liebes Sat.1, warum tust du das nicht nur uns, sondern auch dir selbst an? Mit Onkel Harald nimmst du uns das Sandmännchen für Erwachsene. Womit willst du uns ab Mai zur späten Abendstunde noch locken und in den Schlaf wiegen? Mit neuen Fetisch- und Bordellreportagen? Mit noch mehr Dokumentationen aus und von Deutschlands Betten und Baustellen? Voreilige Einschätzungen sind an dieser Stelle vielleicht unangebracht, aber man könnte sagen, dass du mit diesem Versuch scheitern wirst.
Um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind voller Trauer und Enttäuschung. Ganz Deutschland ist an Tagen wie diesen der Fassungslosigkeit nahe. Und die Selbstdarsteller-Plattform Twitter wird zum Sprachrohr einer ganzen Nation:

„Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Daniela Katzenberger eine eigene Show hat und Harald Schmidt nicht. #DHSS (@Dcodexlol)

Mir wird Harald fehlen! #dhss“ (@SailorBerlin)

„das ich nachfolger von harald schmidt werden soll da ist echt nix dran! obwohl grundsetzlich könnt ich mir schon eine talk schow vorstellen“ (@LMatthaeus)

Als ob es nicht schlimm genug ist, dass mit dem Aus der Harald Schmidt Show das Format der Late Night in Deutschland den Bach runtergeht (Aufgepasst, Stefan Raab, sonst blüht dir Ähnliches!), muss ab Mai nun auch merklich mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote gerechnet werden. Wir fragen uns: Reichen die Schlagzeilen um Schlecker und der drohenden Arbeitslosigkeit tausender Mitarbeiter nicht schon? Scheinbar nicht! Laien und Experten sorgen sich: Was passiert nun mit Schmidt und dessen jungen, dynamischen, und vor allem, fähigen Handlangern Heufer-Umlauf, Böhmermann, Krause und Co.? Welcher Rettungsschirm fängt sie auf? Wichtige Fragen, auf welche zeitnah Antworten gefunden werden müssen.

Bleibt also nur noch zu hoffen, dass die neuen, jungen Sender und Chancengeber ZDFneo oder ZDFKultur den fetten Braten wittern und den Onkel Harald samt Anhang in ihre Mitte aufnehmen. Das wäre doch was, oder? Wir zumindest würden es uns wünschen.

Bis dahin heißt es wohl: Genießt die uns verbleibenden 13 Sendungen und nehmt Schmidt und seine Show in eure allabendlichen Gebete auf. Vielleicht hilft’s.


Luise

Sonntag, 25. März 2012

Mehr als nur Laber, Laber – Talk von und mit Roche & Böhmermann


www.rocheundboehmermann.de
Talkshows. Was wären wir nur ohne sie, ohne ihre aufgegriffenen tagesaktuellen, manchmal mehr, manchmal weniger interessanten und wirklich wichtigen Themen des Lebens? Und vor allem: Was wäre unser Alltag ohne die Talkmaster und ihre teilweise sehr sedilen Gäste, die nur in den seltensten Fällen überhaupt etwas weltbewegendes zu berichten haben? Ja, ja, die Talkshow - Mutter und Flagschiff der vormittäglichen, früh- und spätabendlichen Sendeplätze. Beachtenswert: Jeder kennt sie, jeder schaut sie (wer behauptet, sich von ihr zu distanzieren, ist sich seiner eiskalten Lüge hoffentlich bewusst!) und jeder bildet sich ein Urteil über sie. Was in den 80 Jahren des vergangenen Jahrhunderts[1] aus Amerika auch in unsere medialen Gefilde vordrang, entwickelte sich binnen kürzester Zeit dank Meiser, Int Veen, Kiesbauer, Fliege und co. zu einem der meist geliebtesten, aber auch meist verhasstesten Fernsehformate, die das Fernsehen seither zu bieten hat. Von Assi-Talk und Unterschichtenfernsehen war im Fall der Talkshow oft die Rede, ebenso von unwürdiger Menschen-zur-Schau-Stellung. Traurig, aber wahr.

Trotzdem: Aus der Fernsehlandschaft sind Talkshows selbst heute kaum noch wegzudenken. Ob öffentlich-rechtlich oder privat: die Sender wissen, dass es ohne sie doch gar nicht mehr geht, will man sich sein mehr oder minder intellektuelles, politinteressiertes, anspruchsvolles Publikum in Zeiten der Machtübernahme des mittlerweile gar nicht mehr so neuen Alles-Könner-Mediums Internet bewahren.
Die Talkshow, wie sie die meisten von uns damals zu lieben gelernt haben, präsentiert sich heute nur noch unter der Leitung der mit akademischen Background ausgestatteten Godmother of Talkshow Britt Hagedorn alias Britt am Mittag (oder doch andersrum?) at ist best und empfängt bzw. beherbergt Gäste, die entweder ein schlechtes Gewissen oder Gebiss plagt, denen aus einem staatlich-geprüften Genlabor verheißungsvolle Post ins Haus flatterte, oder Gäste, die einfach mal ihre neue tolle pink/schwarze, asymmetrische Strähnchenfrisur im Fernsehen vorführen wollten.

Die neue Talkshow von heute, die von Größen à la Jauch oder Lanz präsentiert wird, ist anders, anspruchs-, man könnte es auch nennen, niveauvoller und richtet sich merklich an ein anderes Publikum: Angesprochen werden nicht mehr wie einst Arbeitssuchende, die sich um die Mittagszeit rum einfach mal eine Auszeit vom stressigen Alltag gönnen wollten, sondern ab sofort anspruchsvolle, an dem gesellschaftlichen, politischen Leben und deren in der Öffentlichkeit stehenden Größen interessierte Bundesbürger. Auch wenn es bitter klingen mag: Die Talkshow von heute hat sich das Ziel gesetzt, dumme, unwissende Menschen, die ihr und ihrem Anspruch nicht würdig sind, innerhalb weniger Minuten zum Einschlafen oder Umschalten zu motivieren.

Genau so, oder vielleicht doch anders (man muss es im Laufe der nächsten Wochen noch herausfinden) versteht sich auch die Neuerscheinung in der Talkshow-Landschaft, die allwöchentlich am Sonntagabend (wohlgemerkt konkurrierend mit Günther Jauch) auf dem Sendeplatz des nun schon fast einjährigen Senders ZDFkultur zu sehen ist: Roche & Böhmermann. 
Jede Woche werden von den Gast- und Namensgebern der Sendung, Charlotte Roche und Jan Böhmermann, fünf sich auf der Bekanntheitsskala zwischen 0 und 10 einreihende Persönlichkeiten eingeladen, die dann in intimer, kuscheliger, Neonröhrenlicht-Atmosphäre bei der ein oder anderen Zigarette und dem ein oder anderen Glas hochprozentigen Alkohols am runden Tisch Platz nehmen und über sich, die Welt oder brandaktuellen Themen in Form von Mono- und Dialogen sprechen.

Nun fragen Sie, liebe Leser_innen, sich wahrscheinlich: Und was ist jetzt das Neue und Bahnbrechende an dieser Talkshow, die von außen betrachtet daherkommt, wie alle anderen vor ihr? Genau das haben wir uns auch gefragt und haben uns für Sie, aber auch uns selbst, auf die Suche nach Antworten begeben.
Selbstverständlich haben wir in dieser Sache keine Kosten und Mühen gescheut, und sind am vergangenen Montag zu einer Aufzeichnung von Roche & Böhmermann ins nahe Köln gereist. Bereits auf der Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin fragten wir uns, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen, welches sich gegenwärtig zweifelsohne im Strukturwandel befindet, fernab jeglicher Zivilisation am südlichen Rande der Rheinmetropole in einer alten Wachsfabrik produzieren lässt. Unsere Antwort: Eine hochkarätige Sendung!

Das Studio von Roche & Böhmermann (Foto: PENIBELichkeit)


An diesem Tag eingeladen waren zum einen Klaas Heufer-Umlauf, wenn nicht gerade an der Seite von Joko Winterscheidt moderierend im Auftrag „Fernsehen für junge Menschen“, dann auf Tour als selbsternannten Fuckbuddy mit Gastgeber Böhmermann; Kaufhauserpresser Arno Funke Dagobert, der sich mit Rap-Musik die Brötchen verdienende Künstler Dendemann, Journalist und Autor Henryk M. Broder und die offensichtlich hörbar aus Berlin stammende Schauspielerin Anna Fischer.
Der bereits angesprochene erlaubte Tabak- und Alkoholkonsum tat in Sachen Redseligkeit sein Bestes und so wurde in mehr als einer Stunde (vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fernsehens!!!) das Potenzmittel Viagra von einem der Anwesenden genommen und über so ziemlich alles gesprochen, über das gesprochen werden musste und wollte: Organspende, den Holocaust, wie man so größenwahnsinnig sein kann, statt eines kleinen Tante Emma-Ladens gleich einen großen Kaufhauskonzern zu überfallen, etc. pp and so on.
Wie man es sich als fleißiger und regelmäßiger Zuschauer von Roche & Böhmermann  schon denken kann, kam natürlich auch der Zensierknopf in der Mitte des Tisches zum Einsatz, der sich bereits schon sehr großer Beliebtheit erfreuen durfte. Die Ausmaße der Zensur kommen aber nur am heimischen Bildschirm zum Tragen. Im Studio selbst nicht. Es lohnt sich also, liebe Leser_innen, vor Ort bei der Aufzeichnung dabei zu sein, sollte es Ihnen unter den Nägeln brennen zu erfahren, welch in Wort gepackte Unzumutbarkeiten man den Ohren der Fernsehzuschauer ersparen möchte.

Um zum Schluss noch einmal auf die Frage zurück zu kommen, was das Neue an der Talkshow Roche & Böhmermann ist: Den Zuschauer erwarten Moderatoren und Gäste, die kein Blatt vor den Mund nehmen und dank fehlender Struktur und inhaltlicher Vorgaben alles, was ihnen gerade in den Sinn kommt in die Welt hinaus posaunen (Warnhinweis: für prüde Zuschauer ist die Sendung eher weniger geeignet). Das Gute an dieser neuen Gesprächssendung? Auch wenn sie mit ihrer Aufmachung eher an das Fernsehen erster Stunde erinnert, haben es die mal mehr, mal weniger jungen, frischen, hippen Themen und Gäste faustdick hinter den Ohren. Roche & Böhmermann: definitiv für jeden zwischen 18 und 99.

Unser Prädikat nach Qualitätscheck vor Ort: Absolut sehenswert! Denn mit Roche & Böhmermann kommt das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinem Ziel auch jungen Menschen interessantes Programm zu bieten, ein großes Stück näher.

Neugierig geworden? Dann verpassen Sie, liebe Leser_innen, heute Abend nicht die vierte Ausgabe von Roche & Böhmermann!


Wann und Wo: Heute, 25.03.12, 22Uhr auf ZDFkultur (das reimt sich sogar. Wahnsinn!)

  Luise




[1] Genau, liebe jugendliche Leser! Die 1980er, das waren die Jahre des Jahrzehnts, in dem das Gerät auf welchem ihr dieses coole Internetangebot hier gerade nutzt, noch Heimcomputer hieß, fast alle Menschen so komische Frisuren trugen, wie Thommy Gottschalk es noch heute tut und Menschen eures Alters am Sonntagabend noch gemeinsam mit den Eltern vor dem (wohlgemerkt einen!) Röhrenfernseher des Hauses saßen, weil es von LKWs fallende Flatscreens, internetfähige Spielekonsolen und superschnelle, multifunktionale Smartphones leider, leider noch nicht gab.